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Start / Mein Equipment / Ferngläser / TS-Optics 20×80 Triplet


Das zweite Fernglas, dass ich gern nutze, ist mein TS 20×80 Triplet Großfernglas. Da dieses Fernglas keinen Bildstabilisator besitzt, kann es aufgrund der 20-fachen Vergrösserung und des hohen Gewichts von ca. 2.400 Gramm nicht mehr gut Freihand genutzt werden. Die Verwendung eines stabilen Stativs ist für eine gewinnbringende Beobachtung daher unabdingbar. Aus dem Grund verwende ich es leider viel zu selten.

Mein 20×80 Triplet im Größenvergleich zu einem Bresser 10×50 Fernglas:


Für die stabile und komfortable Nutzung dieses Großfernglases habe ich mir eine Parallelogramm-Montierung mit selbstgebaut, die auf einem alten Vermessungsstativ montiert wird. Wackelfrei ist die Konstruktion leider nicht. Dennoch funktioniert die Beobachtung damit ganz gut. Würde ich mir nochmal eine solche Montierung bauen, dann mit dickerem Hartholz, anstatt des verwendeten weichen Holzes. Zum Ausgleich des Gewichts des Fernglases kann ich verschiebbare Gegengewichte nutzen, die mir ein Freund aus Messing gedreht hat.

Was ist der Vorteil der Beobachtung mit einem Großfernglas? Klarer Fall, ist wie beim Teleskop auch: Umso mehr Öffnung, desto mehr Licht kann die Optik sammeln und umso schwächere Objekte kann man damit beobachten. Mit dem 10×50 kann man bereits alle Messierobjekte beobachten, mit dem 20×80 sieht man sie aber doppelt so groß. Während man mit dem kleineren Fernglas die Galaxien und Kugelsternhaufen nur als schwach neblige Fleckchen sieht, kann man mit dem 20×80 Triplet schon einige davon anhand ihrer Form richtig erkennen. Die doppelte Vergrößerung ist also zum Erkennen von Objekten sehr hilfreich. Um aber so hoch vergrößern zu können, muß auch die Lichtmenge ausreichend sein. Bei einem Fernglas mit 50mm-Objektiven würde da schnell im wahrsten Sinne des Wortes „das Licht ausgehen“. Bei dem 20×80 Triplet hingegen ist das kein Problem. Die beiden 80mm Objektive sammeln ausreichend Licht für die 20fache-Vergrößerung. Prinzipiell wäre das 16×80 Fernglas sogar noch etwas besser geeignet, da es aufgrund der geringeren Vergrößerung bei gleichbleibender Öffnung mehr Licht auf die Netzhaut bringt. Praktisch kann ich das aber nicht bestätigen, da das 16×80 Fernglas von wesentlich schlechterer Qualität ist. Die Linsen der Objektive und der Okulare sind sicher schlechter vergütet, wodurch auch Licht verloren geht. Auch ist die Innenschwärzung des 20×80 Triplet wesentlich besser als die (nicht wirklich vorhandene) des 16×80 Hannia Glases, was sich am 20×80 kontraststeigernd bemerkbar macht.

Apropos „kontraststeigernd“. Das TS 20×80 Triplet gibt es auch in einer speziellen Astroversion. Diese hat einschwenkbare Nebelfilter, die sich an galaktischen und planetarischen Nebeln kontraststeigernd bemerbar machen sollen, da sie den Teil des sichtbaren Lichts abschwächen oder ganz blockieren, in dem die Nebel nicht leuchten, während das „Nebellicht“ (fast) ungehindert den Weg ins Auge finden kann. Wie gut das beim TS 20×80 Triplet Astro funktioniert kann ich aber nicht beurteilen, da ich noch nie durch eines geschaut habe. Als ich mir aber das normale 20×80 Triplet auf der Astrobörse ATT in Essen zugelegt habe, konnte ich dort an einem Schnäppchentisch für ganz kleines Geld ein paar einschraubbare Nebelfilter für ein Fujinon-Fernglas ergattern.

Nun hab ich zwar kein Fujinon Fernglas, aber diese beiden Filter passen zufällig genau in die Augenmuscheln des 20×80 Triplet, wo ich sie anfangs einfach eingeklemmt habe, indem ich erst die Augenmuscheln nach hinten klappte, die Filter bündig auf die Okulare auflegte und die Augenmuscheln wieder nach vorne klappe. Die Filter wurden dabei durch die gummierte Augenmuschel perfekt gehalten und verkippten dabei nicht.

Auf folgendem Foto sieht man das linke Okular ohne, das rechte mit eingeklemmtem Fujinon Nebelfilter:

Da mir das Einklemmen der Filter aber auf Dauer und vor allem im Dunklen zu fummelig war, habe ich mir von einem Freund zwei Aluminiumringe anfertigen lassen, die ein M34 Feingewinde besitzen, in die ich die Fujinon-Nebelfilter, die ebenfalls dieses Gewinde besitzen, einschrauben kann.

Hier ein Filter, zusammen mit den beiden Ringen, die ich auf der Augenseite geschwärzt habe, um eventuelle Reflektionen bei Nutzung des Fernglases ohne Filter zu vermeiden.

Die Ringe habe ich mit Sekundenkleber auf das um die Okularöffnung aufliegende Gummi der Augenmuscheln aufgeklebt.

(links ohne, rechts mit eingeschraubtem Filter)

Durch diese Modifikation brauche ich während des Zurückklappens der Augenmuscheln nicht mehr aufpassen, dass mir die Nebelfilter nicht runterfallen. Da das Zurückklappen aber aufgrund des relativ großen Durchmessers der Filterfassungen noch etwas schwierig geht, werde ich mir diese wahrscheinlich noch etwas verkleinern.

Die Funktion dieser Filter ist überwältigend. Als Beispiel seien hier der Nordamerikanebel und der Cirrus-Nebelkomplex erwähnt, die sich mit den Filtern sehr viel deutlicher vom Himmelshintergrund abheben als ohne. In beiden Halbbögen des Cirrusnebels („Knochenhand“ und „Sturmvogel“) kann man schon richtig Strukturen erkennen. Wenn die Qualität der im Triplet-Astro verbauten Filter ebenso gut ist, dann lohnt sich die Anschaffung der ca. 100,-€ teureren Variante ganz bestimmt. Hier ein Beobachtungsbericht von einer Nacht, in der ich ausschließlich mit meinem TS 20×80 Triplet mit und ohne die Nebelfilter beobachtet habe.

Hier mal der Größenvergleich zwischen 50 mm und 80 mm Objektivöffnung anhand des Bresser 10×50 und eines (schlechten) Hannia 16×80 Glases:

Sehr zu empfehlen ist übrigends auch der Bau von Sonnenfiltern für das Fernglas (hier ein Selbstbaubericht). Schon im 10×50 Fernglas kann man Sonnenflecken und helle Fackelgebiete recht gut beobachten. Die Granulation konnte ich direkt noch nicht erkennen, nur indirekt durch die Sichtung der Fackelgebiete. Im 20×80 Triplet sieht das aber schon ganz anders aus. Da kann man die Granulation über die komplette Sonnenoberfläche direkt als solche beobachten. Bei größeren Sonnenflecken kann man sogar die tiefschwarze Umbra von der sie umgebenen grauen Penumbra unterscheiden. Da die Sonne auch mit der Baader Sonnenfilterfolie noch recht hell ist, habe ich die Öffnung des 20×80 Triplets auf 40mm abgeblendet. Dies wirkt sich auch positiv auf den Farbfehler dieses Fernglases aus. Die Abbildung ist bei gutem Seeing knackescharf.


Technische Daten:
Vergrößerung: 20-fach
Öffnung: 80 mm
Austrittspupille: 4 mm
Objektive: Triplet
BAK4-Prismen
Gesichtsfeld: 3,2° (56 m auf 1.000 m)
Naheinstellgrenze: 30 m – ∞
Abmessungen: 34 x 23 x 10 cm
Gewicht: 2.400 g