Start Tips für Einsteiger

Was benötigt man, um selbst Objekte am Sternenhimmel beobachten zu können?


Sie werden überrascht sein, mit welch geringem Aufwand man erste Entdeckungen im All machen kann.


Der erste Kontakt:

1. Zu allererst brauchen Sie zwingend ein gesundes Auge, ...


... besser zwei davon, ganz nach dem Motto: "Zwei Augen sehen mehr als eins", was auch in der Astronomie zutreffend ist . Natürlich dürfen Sie auch Brillenträger sein, wenngleich es da unter Umständen auch Einschränkungen geben kann, was aber eher die Ausnahme sein dürfte.

Ganz wichtig ist es auch, dass Sie sich warm genug anziehen. Klingt erstmal banal, sie werden aber schnell merken, dass dieser Faktor nicht zu unterschätzen ist - nicht nur im Winter. Nichts ist schlimmer, als eine Beobachtungsnacht wegen zu wenig wärmender Kleidung abbrechen zu müssen. Ganz nach dem Vorbild der Zwiebel, sollte man sich mit mehreren Lagen Stoff umhüllen. Ausziehen kann man immer noch was. Wenn Sie aber draußen auf dem Acker nichts zusätzliches zum Anziehen dabei haben, ist die Beobachtungsnacht schneller vorbei, als Ihnen lieb ist.

2. Sehr wichtig ist es, sich am Sternenhimmel zurecht zu finden. Jemand, der noch nie versucht hat Ordnung in das Gewimmel von Sternen zu bringen, wird erstmal völlig überfordert und orientierungslos unterm Sternenzelt stehen. Das ist ganz normal, denn die Sterne für sich sehen ja mit bloßem Auge erstmal alle gleich aus. Gut, der eine ist heller als der andere, einer leuchtet etwas rötlich, ein anderer wiederum mehr bläulich. Aber erstmal scheint da ein heilloses Durcheinander zu herrschen, in das man unmöglich Ordnung bringen kann. Aber lassen Sie es sich gesagt sein, es ist leichter als man erstmal denkt.
Wie eine große Stadt in mehrere Stadtteile unterteilt ist, so ist auch der Sternenhimmel seit den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der IAU (Internationale Astronomische Union) in exakt festgelegte "Sternfelder" unterteilt worden - die 88 Sternbilder und ihre umliegenden Sterne. Die eigentlichen Sternbilder selbst, sind teilweise bereits aus der Antike überliefert und halfen den Menschen schon damals sich am Himmel zurecht zu finden.
Nun müssen Sie aber nicht 88 Sternbilder auswendig lernen. Von Europa aus sind sowieso nur 39 davon komplett zu sehen, 20 weitere teilweise. Aber auch diese müssen sie nicht stupide auswendig lernen. Gerade in den ersten 1-2 Jahren ist eine Drehbare Sternkarte eine große Hilfe beim Identifizieren von Sternbildern.


Eine einfach aufgebaute, drehbare Sternkarte, wie sie im gut sortierten Buchhandel zu finden ist, besteht aus einer unteren, Basisscheibe, auf der zumindest die Sternbilder aufgedruckt sind, die in unseren Regionen in einem Jahr zu sehen sind und einer darauf drehbar gelagerten teiltransparenten Scheibe, die den Teil des Sternenhimmels anzeigt, der zu einem bestimmten Zeitpunkt zu sehen ist. Auf der Basisscheibe sind meist noch weitere Sterne mit abgedruckt, wie auch oftmals schon die hellsten Deepskyobjekte. Am Rand der Basisscheibe finden Sie noch eine umlaufende Monatsskala mit den 12 Monaten eines Jahres, welche wiederum in die zugehörigen Tage unterteilt ist. Die drehbare, teiltransparente Scheibe, hat eine zugehörige Uhrzeitenskala, die man mit dem Beobachtungstag zur Deckung bringen muß. Und schon kann man sehen, welche Sternbilder gerade am Himmel zu sehen sind. Nun müssen Sie nur noch die Himmelsrichtungen an Ihrem Beobachtungsort kennen - ein Kompass wäre da anfangs hilfreich - und schon können Sie anhand der über dem Kopf zu haltenden Sternkarte sehen, in welcher Himmelsrichtung gerade welches Sternbild zu finden ist. Mit einer etwas aufwendigeren drehbaren Sternkarte, wie der hier abgebildeten, kann man noch einiges mehr machen. Z.B. lassen sich damit Sonnenauf- und untergang sowie die drei verschiedenen Stufen der Dämmerung ziemlich genau vorhersagen. Hat man die Ephemeriden der Planeten und des Mondes, kann man auch deren jeweilige Position am Himmel damit vorhersagen. Auch die Position der Sonne läßt sich auf dieser Karte ablesen. Das hellblaue, halbkreisförmige Band, welches einmal quer über die Karte läuft, stellt das Band der Milchstraße dar.

Hier ein Ausschnitt aus meiner drehbaren Sternkarte vom Kosmosverlag:

























Vieleicht klingt dies jetzt hier noch etwas kompliziert. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es ganz einfach ist, wenn man sich erstmal am Tage mit der Sternkarte vertraut gemacht hat.

Apropos am Tage: Wenn Sie einen Computer ihr Eigen nennen können, möchte ich Ihnen ein sehr hilfreiches Computerprogramm ans Herz legen, welches Freeware und somit frei und kostenlos downloadbar ist. Das Programm nennt sich Stellarium und ist eine Planetariumssimulation, die den Sternenhimmel fast fotorealistisch am Computermonitor darstellt. Damit können Sie auch am Tage gut Sternbilder kennenlernen, aber auch Objekte per Suchmaske finden und anzeigen lassen. Das Programm ist somit auch ein ideales Tool zur Planung einer Beobachtungsnacht.

Aber zurück zum nächtlichen Einsatz. Um die drehbare Sternkarte auch in dunkler Nacht ablesen zu können, benötigen Sie eine Rotlichtlampe. Tiefrotes Licht, noch dazu nicht zu hell, ist ganz wichtig beim Beobachten. Während sich die Pupille des Auges sehr schnell an die Umgebungshelligkeit anpassen kann, dauert die komplette Dunkeladaption, also die 100%ige Anpassung an die Dunkelheit ca. 30-45 Minuten. Dies hängt mit einem chemischen Prozess im Auge zusammen. Wird man auch nur ganz kurz durch einen etwas helleren Lichtschein geblendet, dauert es wiederum die gleiche Zeit, um wieder 100% an die Dunkelheit adaptiert zu sein. Am unempfindlichsten ist das Auge im tiefroten Spektralbereich des sichtbaren Lichts. Aus dem Grund kann man mit schwachem Rotlicht des Nachts Sternkarten lesen, ohne dabei die Dunkeladaption einbüßen zu müssen. Eine einfache Taschenlampe, die z.B. mit rotem Pergament vor dem Lichtaustritt versehen ist, reicht da schon aus.

Diese bis jetzt aufgeführten Dinge reichen für einen ersten Einstieg in die Beobachtung des Sternenhimmels aus. Mit dem Gewinn der Orientierung am nächtlichen Himmel wird der Grundstein für das erfolgreiche Aufsuchen von Planeten und Deepskyobjekten gelegt.

 

Fortsetzung folgt ...