Start Beobachtungsberichte 2009 12.06.2009 - Wir haben doch keine Zeit

Um 22.30Uhr habe ich mich mit meinem Spechtelkollegen Henning auf den Weg zu unserem Hauptbeobachtungsplatz auf knapp 500m üNN aufgemacht. Viel Zeit hatten wir ja nicht, da bereits gegen 0.45Uhr der Mond aufgehen würde. Daher hatte ich mir auch nicht viel vorgenommen.

Vor der Abfahrt habe ich nochmal schnell auf Calsky.de nachgeschaut, ob`s noch etwas besonderes am Himmel zu beobachten gäbe. Und tatsächlich: Um 23.33Uhr sollte der Iridium Satellit mit der Nummer 59 einen schön hellen Flare knapp östlich der Cassiopeia hinlegen - -6,3mag! Irre. Da war natürlich klar, dass ich auch meine EOS und das Fotostativ mitnehmen mußte.

Gesagt getan. Nachdem ich gegen 23.05Uhr meinen 16" Dobson aufgebaut und justiert hatte stellte ich auch gleich das Fotostativ mit der EOS auf und stellte mir den Wecker im Handy, damit ich den Flare nicht verpasse.

Mit nicht ausgekühltem Spiegel hielt ich erstmal auf den bereits recht tief stehenden Saturn. Wie zu erwarten war die Abbildung sehr schwammig. Drei Monde konnte ich erkennen. Bei der Nachbearbeitung meiner Beobachtung am heimischen PC stellte sich raus, dass im Okular links von der Saturnkugel Rhea und rechts daneben Thetys und Titan standen. Laut Calsky stand zu dem Zeitpunkt noch Dione knapp unterhalb der rechten Ringhälfte. Dieser Mond war mir allerdings im Teleskop nicht aufgefallen. Wird wohl auch am nicht so dollen Seeing gelegen haben. Die Ringöffnung konnte ich nur für Sekundenbruchteile hin und wieder mal kurz wahrnehmen. Deutlicher war da ein Wolkenband auf der Südhalbkugel des Saturn zu sehen.

Um 23.25Uhr, mein Wecker hatte gerade an den Iridium-Flare erinnert, machte ich mich an die EOS, um diese zu fokussieren und ein paar Probeschüsse zu starten. Pünktlich dann um 23.33Uhr konnten wir den Satelliten südlich der Cassiopeia entdecken. Er beschrieb genau die Bahn, die Calsky vorausberechnet hatte. Auch das Helligkeitsmaximum fand genau an der vorausberechneten Stelle statt. Ich finds immer wieder klasse, wie präzise sich das vorhersagen läßt.

Hier meine 30-Sekunden-Belichtung des Iridiumflares.

Deutlich sieht man, wie der Iridium östlich am Himmels-W vorbeischrammelt.

Henning und ich waren echt begeistert, wie grell der Iridium da auf uns runterschien. Einen so hellen Iridium hatten wir beide noch nicht gesehen.

Um 23.50Uhr machte ich mich wieder an meinen 16"er - wir hatten ja keine Zeit - der Mond sollte ja bald schon aufgehen und unsere Deepskyreise rücksichtslos beenden.

Zuerst machte ich mich auf die Suche nach M3, einem der schönsten Kugelsternhaufen am Himmel wie ich finde. Auch wenn M13 heller und größer ist, die schönere Kugelform hat eindeutig M3. Trotz noch immer nicht richtig dunklem Himmel - ja, der Sommer naht mit großen Schritten - war die Kugel schon im 14mm Speers Waler bei 130facher Vergrößerung schön aufgelöst. Das Speers 8-5mm Zoom sollte da aber noch mehr bringen. Tat es dann natürlich auch. Bei 6,5mm (280fach) war M3 fast Formatfüllend im 84° Okulargesichtsfeld des Zoomokulars. Ein irre geiler Anblick! Tausende von kleinen Sternchen, deren Anzahl in Richtung Zentrum extrem stark scheint. Wirklich klasse diese Kugel aus 28.000 Lichtjahren Entfernung betrachten zu können.

Danach hielt ich dann aber doch noch mal auf M13, für den direkten Vergleich. Klar, viel größer erscheint diese Kugel schon daher, weil sie mit knapp 23.000 Lichtjahren auch näher an unserem Sonnensystem ist. Für 6,5mm ist er eindeutig zu groß. Aber mit 8mm bei 230facher Vergrößerung sah auch M13 richtig toll aus - nur nicht so schön kugelförmig wie M3. Trotzdem auch sehr schön und im 16"er vor allem richtig toll aufgelöst.

Mitlerweile war es schon nach Mitternacht. Die Milchstraße zog sich sehr schön zerklüftet von Nord-Ost bis Süden über den Himmel. Da mußte ich doch schnell nochmal `ne Serie mit der EOS schießen.

Die südliche Milchstraße im Schützen:























10x 30sek. bei ISO1600/Brennweite 18mm/Blende f/4,5, abzüglich Masterdark

Leider sind wir auch an unserem Beobachtungsplatz nicht gänzlich vor der Lichtverschmutzung umliegender Ortschaften geschützt, wie man auf dem Foto gut sehen kann. Aber es ist wesentlich besser als zu Hause und eigentlich auch nur direkt am Horizont zu sehen. Das Foto bringt das durch die Bildbearbeitung etwas stärker zum Vorschein als es tatsächlich ist.

Der Schwan und die Leier (und `n blöder Flieger ):























(gleiche Belichtungsdaten wie zuvor)

Die Grenzgröße habe ich natürlich mal wieder nicht bestimmt. M13 war aber indirekt zu sehen, und das, obwohl es ja nicht mehr zu 100% dunkel wird.

Da ich gerade mit der EOS in der Schwanregion zugegen war wollte ich auch mit dem 16"er mal reinhalten. Genauer gesagt ins darunter liegende Sternbild Füchschen, indem ja bekanntlich M27 - der Hantelnebel - zu Hause ist. Vor ein paar Wochen hatte ich diesen knapp 1400 Lj. entfernten planetarischen Nebel zum ersten Mal mit meinem 16" von zu Hause aus auf`s Korn genommen. Da stand er aber in der Lichtglocke der benachbarten 20.000 Einwohner-Stadt und noch dazu recht tief. Jetzt hier wesentlich höher am viel besseren Himmel war die Hantel einfach nur gigantisch. Im Speers Whaler Zoom bei 230facher Vergrößerung mit Baader UHC-S-Filter einfach der Hammer. Die Form ist im 16"er nicht nur viel deutlicher warnehmbar als im 8"er , nein, die "Ohren" kommen auch sehr deutlich hervor und außer dem Zentralstern konnte ich noch drei andere Sterne innerhalb der Hantel deutlich erkennen. Wenn mehr Zeit gewesen wäre (wie gesagt, der Mond stand ja schon in den Startlöchern) hätte ich gern noch länger draufgehalten.

Aber ein anderes Objekt, welches ich zuvor auch noch nie beobachtet hatte, wollte ich gerne vor Mondaufgang noch aufsuchen. Und zwar hatte ich in der SuW 5/2009 erst vor kurzem einen Bericht über die Galaxie NGC4656/7 - aufgrund seiner Form auch Hockeyschläger genannt - gelesen und wollte diese zusammen mit der Nachbargalaxie NGC4631 - auch Herings- oder Walgalaxie genannt - nun auch mal selbst beobachten. Mit dem 32mm TS-WA bei knapp 60facher Vergrößerung versuchte ich das Galaxienpärchen in den Jagdhunden aufzuspüren. Am Südosthorizont bemerkte ich leider schon eine zunehmende Aufhellung, als ich mit der Suche begann.

"Wir haben doch keine Zeit", kamen mir da Stefan Raabs Worte in den Sinn. Ich mußte mich beeilen. "Ätzend", dachte ich noch dabei, dass man sich jetzt auch beim Spechteln noch abhetzen muß. Der Alltag ist doch schon streßig genug, oder?

Aber egal, die beiden NGC`s wollte ich unbedingt noch mitnehmen. Nach einer Weile des rumstocherns (anders konnte man das nicht nennen, was ich hier aufgrund des Zeitdrucks fabrizierte) konnte ich die beiden dann doch noch ausmachen. Die spindelförmige edge-on-Galaxie NGC4631 hob sich bei 60fach noch recht gut vom Himmel ab, während NGC4656/7 etwas schwächer schien. Wieder ein kurzer Blick gen Südost zeigte, dass der glutrote Mond sich bereits drohend über die Hügel erhob. Der Himmel litt bereits bis fast in den Zenit schon leicht unter der aufkommenden Lichtseuche. Die Milchstraße war aber immernoch recht deutlich zu sehen. Glücklicherweise standen die Jagdhunde genau entgegengesetzt, sodass ich noch ein bischen bei den NGC`s verweilen konnte. Der "Hockeyschläger" war deutlich zu erkennen. Schon irre wenn man sich versucht vorzustellen, welche Kräfte NGC 4631 auf NGC4656/7 ausgeübt haben muß, um diese so zu "verbiegen". Aber mir solls recht sein. Gibts eben schön was zu gucken. Deutlich war der Stiehl des Schlägers in der Form eines langgezogenen Tropfens (NGC4656) zu erkennen. Dort wo sich der Tropfen spitz zulaufend und dabei lichtschwächer werdend verjüngte, grenzte der abgewinkelte wieder deutlich hellere Teil der Schlagfläche des Schlägers (NGC4657) an. Diese irreguläre Galaxie hat übrigens zwei NGC-Nummern, da der Entdecker William Herschel annahm, dass es sich bei NGC4657 um eine Begleitgalaxie von NGC4656 handeln würde. Doch schon Lord Rosse erkannte, dass es sich um eine einzige Galaxie handelt.
Beim konzentrieren auf weitere Details fiel mir dann aber leider auf, dass der Himmel nun zunehmend schlechter wurde. Schade, denn den Hering hätte ich ja auch gerne noch etwas intensiver beäugt. Über den Kollegen war ich mit dem Dobson nur mal schnell drübergehuscht, weil ich mir erst den Hockeyschläger vornehmen wollte. Ein Schwenk zurück zum Hering zeigte dann auch, dass er langsam im Mondlicht abzusaufen drohte. Also gab ich dann die Deepskyjagd für diesen Abend erst mal wieder auf.

Die beiden sind auf jeden Fall beim nächsten Mal wieder auf der Liste und zwar gleich wenn es dunkel ist. Aber da wäre ja auch schon das nächste Problem - es wird momentan eben nicht mehr richtig knackedunkel. Na ja, mal schauen. Paßt schon noch.

Kurze Zeit nach dem Mond ging dann auch der helle Jupiter auf. Dieser konnte natürlich bei der Höhe am Himmel noch keine Details zeigen. Aber seine Zeit kommt ja auch erst noch.























Wir machten uns dann langsam ans abbauen. Henning wollte Heim und ich bin ja auf ihn angewiesen, um meinen 16" Volltubus-Dobson wieder ins Auto und zu Hause wieder ins "Teleskopzimmer" (klingt nobel, wa? - doch der Schein trügt ) bugsieren zu können. Wäre der olle Mond nicht gewesen, ich wäre wahrscheinlich noch länger geblieben und hätte den Dobson dann allein ins Auto gequält. Aber so hatte ich dann auch keine Lust mehr zu spechteln. Also sind wir gegen 1.45Uhr wieder heimgedüst.