Start Beobachtungsberichte 2009 13.07.2009 - Relaxtes Schattenspechteln bei abnehmendem Mond

Hab nun Urlaub und da konnte ich die vorletzte Nacht doch mal etwas länger spechteln gehen, als es sonst in einer Arbeitswoche möglich wäre.

Die Bedingungen waren nicht perfekt - Cirren und immer mal wieder durchziehende Wolkenfelder, bei bescheidenem Seeing.

Begonnen habe ich meinen Spechtelabend mit dem 16x80 Fernglas auf`m Balkon gegen 23.30Uhr - ISS-Überflug über den ganzen Himmel von West nach Ost. Boaah war die hell, machte aber mit dem Fernglas nur mit der Hand gehalten nicht sooooo viel Spaß. Struktur konnte man trotzdem erahnen.

Danach ging beim Nachbar, der sich schon früher schlafen gelegt hatte, das Licht an und ich entschied mich rüberzugehen, zu klingeln und zu fragen, ob er Lust hat zum spechteln rauszukommen. Ich hatte gerade meinen Finger auf dem Klingelknopp, als die Tür schon aufging, Henning mich groß anguckte und sagte: "Ich wollte gerade gucken, ob bei Euch noch Licht brennt und wollte dann fragen, ob Du Lust hast raus zu gehen." Na hallo, war das Telepatie?

Und so packten wir unsere 8"er raus in die Einfahrt um ein wenig zu spechteln. Wegen Mond hatte ich keine Lust an unseren Spechtelplatz zu fahren, was auch nicht sooo viel Sinn macht, wenn`s so hell ist. Um es so perfekt wie möglich zu gestalten, haben wir natürlich erstmal wieder die Sicherung von der Straßenbeleuchtung rausgedreht.

Gespechtelt haben wir dann aber ganz relaxed, ohne Plan. Wenn der Mond scheint, dann bin ich meist auch nicht ganz so motiviert, weil er dann meine geliebten DS-Objekte absaufen läßt - die Sau.

Zuerst mal ran an den Jupiter, weil der gerade noch zwischen einer Hauswand und einem Baum durchlugte. Wie ich oben schon geschrieben habe war das Seeing gerade zu Beginn doch sehr übel. Man sah richtig die Luft von West nach Ost durchfließen. Bis auf die zwei Äquatorbänder und die vier galileischen Monde war nix auszumachen.

Danach bin ich mal hoch auf M13. Der kam superklasse rüber. Wenigstens etwas Deepsky bei dem hellen Himmel. Ich hab dann auch länger an der Kugel ausgeharrt und mit verschiedenen Vergrößerungen beobachtet. Da sich dann eine größere Wolke vor dem Herkules herschob, hab ich den Dobson mal zum Spaß auf M51 geschubst. Der war dank des hellen Himmels natürlich kaum wahrzunehmen.

Überrascht war ich darüber, daß trotzdem die Milchstraße zu erkennen war. Vor allem im Schwan, der schon fast im Zenit stand, konnte man leichte Strukturen in unsere Heimatsterneninsel entdecken.

Wie ich so grob in Richtung Schwan gucke dachte ich mir, daß ich ja mal M57 in der Leier bei Mond versuchen könnte, was dann auch überraschend gut funktionierte. Schön war der Rauchkringel in seiner Zitronenform zu beobachten. An epsilon lyra wollte ich dann mal schauen, wie`s mit dem Seeing im Zenit aussah. Übel - zwar konnte ich die vier Sternchen relativ gut trennen und die zwei Pärchen sahen auch so ganz lecker aus im Speers 5-8mm Zoomoku, aber die meiste Zeit sah es so aus, als schwebe da `ne Art Materiebrücke zwischen den zusammengehörenden Komponenten. Und weils so schön war, hüpften die auch noch dabei.

Na ja o.k., dachte ich mir. Dank unseres Erdtrabanten war ja DS-technisch eh nicht so viel zu erwarten. Warum also nicht mal diesem einen Besuch mit dem Dobson abstatten? Kollege Henning war mit seinem 8"er schon die ganze Zeit dabei, hatte er sich doch vor kurzem den kleinen Rükl zugelegt. Während er intensiv auf Mondentdeckungstour ging, versuchte ich mich ein wenig im Rükl zu orientieren und verglich ein wenig das im Okular gesehene mit den Karten im kleinen Mondatlas. Wieder einmal mehr mußte ich mir aber eingestehen, daß ich vom Mond überhaupt keinen blassen Schimmer habe, einfach weil er mich nie so richtig interessiert hat. Klar, is mal ganz nett ein paar Kraterchens mit Zentralbergen und deren Schattenwurf anzuschauen, aber systematisch daranzugehen kam mir bisher noch nicht in den Sinn. Aber warum nicht? Weil der Mond einfach so nah ist? Oder drückt man sich doch eher vor der Flut an Details, die einem da ins Auge springen und die Sinne doch schnell völlig überfluten?

Mmmmh, ich glaub, ich muß mich doch mal mehr mit dem Mond auseinandersetzen. Er ist ja auch sehr oft da, um jetzt nicht wieder zu sagen, zu oft.

Ein weiterer Blick zum Himmel zeigte ein Objekt von Nordwest in Richtung Südost über den Himmel düsen. Die ISS schon wieder? 14mm Speers in den OAZ und ab ging die Reise. Ich konnte dem "Licht" doch recht lange Zeit gut folgen, vor allem nachdem es immer flacher in Richtung Südost flog. Aber die ISS war`s nicht. Helligkeit war in etwa wie die Wega, denk ich. Struktur konnte ich nicht erkennen, meinte aber, daß es leicht flächig war. Als es dann hinter Bäumen verschwand machte ich erstmal den Uhrencheck an Hennings Autouhr - 1.04Uhr. Nach Hennings Aussage konnte die Anzeige bedeuten, daß es zwischen ca. 1.02Uhr und 1.1o Uhr sein konnte. Also noch etwas die Augen aufgehalten in Richtung Westen. Um 1.07Uhr sollte nach Calsky nämlich die ISS wieder vorbeikommen und das eben war sie definitiv nicht.

Ca. 2-3 Minuten nach dem vorigen Objekt tauchte sie dann zweifelsfrei überm Nachbarhaus gleißend hell auf. Schnell wieder den Dobson hingeschwenkt und verfolgt. Mann oh mann, die Raumstation is aber auch was von schnell. Gut folgen konnte ich ihr nicht. Ich hatte sie zwar lange Zeit im Gesichtsfeld des 14mm Speers, aber derart verwackelt und so aufs Nachführen konzentriert, daß ich kaum Details wahrnehmen konnte.

Danach noch etwas Mond geguckt und dann tauchte Jupiter wieder hinter den Bäumen hervor. Mir fiel erst gar nicht auf, daß von den vorher vier gezählten Monden nur noch drei zu sehen waren, da ich gleich nach Details auf dem Planeten Ausschau hielt. Das Seeing war etwas besser geworden, aber von Gut will ich mal noch nicht reden. Trotzdem schien mir, als hätte ich den GRF am östlichen Planetenrand entdeckt. Ich also schnell rein an mein Läppi und nachgeschaut, ob es sein könnte. Und jau, das war er tatsächlich. Der Kontrast zum südlichen Äquatorband war zwar fast gleich "0", aber für ganz kurze Momente war er bei 240facher Vergrößerung gut auszumachen. Auch die Wolkenbänder selbst schienen zwischendurch immer mal etwas ausgefranst zu sein. Meist war aber das Seeing so schlecht, daß Jupiter fast so aussah, als würde man ihn durch Milchglas betrachten.

Was mir drin am Läppi noch auffiel war, daß der Schatten von Io eigentlich zwischen den Wolkenbändern zu sehen sein müßte. Klar, Io. Einer der Monde war ja weg. Sollte der gerade vor der Planetenscheibe stehen und tatsächlich seinen Schatten auf den großen Gasriesen werfen? Ich hatte noch nie einen Mondschatten auf Jupiter sicher beobachtet. Nachdem ich also vom Läppi wieder rauskam um nach dem GRF zu schauen, fiel mir als erstes tatsächlich der Schatten von Io auf. Und zwar richtig deutlich. Ich war ziemlich überrascht. Vor allem aber auch, weil ich ihn vorher gar nicht bemerkt hatte. Sehr seltsam, stach er doch förmlich ins Auge. Was genauso erstaunlich für mich war, war die Tatsache, daß man den Schatten förmlich wandern sieht, so schnell bewegt Io sich um Jupiter. Irre geiel. Ansonsten waren leider nicht mehr Details von Jupiter zu erhaschen.

Dann dachte ich noch Neptun gesehen zu haben, nach dem Vergleich mit Stellarium mußte ich aber eingestehen, daß der Punkt den ich für Neptun hielt doch "nur" ein Stern war. Da muß ich also nochmal schauen die nächsten Tage.