Start Mein Equipment Zubehör Parallaktische Montierung

Da ich die Astrofotografie zwar auch ganz gern, aber eher nur sekundär betreibe, wollte ich nicht soviel Geld für meine erste parallaktische Montierung ausgeben, um erste Erfahrungen in Sachen Langzeitbelichtung des Sternenhimmels zu sammeln. Daher entschied ich mich im Herbst 2008 für den Kauf einer EQ-EM10, die in Deutschland von Seben vertrieben wird. Gekauft habe ich sie dann aber neu und originalverpackt von einem Sternfreund, der sich diese Montierung im Bundle mit einem Teleskop gekauft hat, die Montierung aber nicht benötigte. Dadurch konnte ich die Monti für 150,-€ inkl.Versand bekommen.


Daten der Montierung:

Gewicht: ca. 19kg
Tragkraft: ca. 8-9kg

Serienmäßig im Lieferumfang enthalten:

- 2 Motoren für Deklination und Rektaszension
- Handsteuerbox
- Polsucher (ohne Beleuchtung)
- Edelstahlstativ
- 2 Gegengewichte á 4kg




















Serienmäßig wird diese Montierung mit je einem Motor für den Antrieb der Deklinations- und der Rektaszensionsachse geliefert. Angesteuert werden die Motoren über eine Handsteuerbox, die mit 6 Mignon Batterien betrieben wird. Die Spannungsversorgung funktioniert auch über Akkus.

Nach dem Einschalten der Steuerung muß man ihr noch per Tastendruck "sagen", ob wir uns auf der Nord- oder Südhalbkugel befinden. Erst dann läuft der Rektaszensionsmotor in "Erddrehungsausgleichsgeschwindigkeit" los. Vorteil dieser Prozedur ist, daß man die Montierung auch für die erdgebundene Beobachtung (am Tage) nutzen kann, da die Motoren sich nur dann bewegen, wenn eine der vier Pfeiltasten gedrückt wird. Aber wer macht sowas?

An der rechten Seite der Handsteuerbox befindet sich noch ein Wahlschalter, mit dem die Korrekturgeschwindigkeit zwischen 2x, 4x, 8x und 16x gewählt werden kann. Die Nachführgeschwindigkeit läßt sich ohne Öffnen des Gehäuses nicht verändern. Möglich ist es aber, wenn man es mal braucht. Auf der Platine der Steuerung befinden sich zwei Potentiometer, mit denen sich die Nachführgeschwindigkeit des Rektaszensionsmotors, wie auch die Geschwindigkeit des Deklinationsmotors justieren lassen. Bei meiner EQ-EM10 brauchte ich dies aber bisher noch nicht machen. Die Nachführung läuft für die visuellen Beobachtung so gut, dass man bei korrekter Einnordung der Montierung das angepeilte Objekt über eine Stunde im Übersichtsokular, evntl. auch bei mittlerer Vergrößerung behält.

Apropos Einnordnung. Auch ein (unbeleuchteter) Polsucher gehört zur serienmäßigen Ausstattung der EQ-EM10. Mit diesem und einer Rotlichtlampe läßt sich die Montierung gut einnorden.

Hier die Strichplatte des EQ-EM10 Polsuchers:



























Relevant für Beobachter der Nordhalbkugel sind dabei die drei parallel verlaufenden Linien, die sich kreisförmig um den kleinen Mittelkreis ziehen, welcher die Position am Himmel markiert, welche senkrecht über der Erdachse steht. Die drei Kreislinien markieren dabei den Abstand des Polarsterns (Polaris) zum Himmelsnordpol für die Jahre 2000, 2010 und 2020. Für die visuelle Beobachtung ist es sicher ausreichend, wenn sich Polaris irgendwo im Bereich der Kreislinien befindet. Je nachdem, wie lange man ein Objekt beobachtet, reicht es wahrscheinlich sogar aus, wenn man die Montierung ohne Polsucher grob Richtung Polaris ausrichtet. Für die Astrofotografie, wofür ich diese Montierung ja einsetze, ist eine korrekte Einnordung aber schon wichtig. Allzu pingelig muß man da aber bei dieser Montierung auch wieder nicht sein. Das größte Problem dieser Montierung liegt nämlich im periodischen Schneckenfehler, der das angepeilte Objekt im Okular, bzw. auf dem Chip der Kamera immer etwas hin- und herpendeln läßt. Dies führt bei meiner EQ-EM10 dazu, daß ich mit meinem 6" f/5 Newton maximal 40 Sekunden belichten kann. Aber auch nur, wenn ich ca. 60-70% Ausschuß in Kauf nehme.

Aufgrund der nur 40 Sekunden Belichtungszeit reicht die Einnordung mittels der Kochab-Methode aus. Dabei wird der Polsucher so gedreht, dass eine Linie des Korrdinatenkreuzes in Verlängerung zur Gegengewichtsstange der Montierung gebracht wird. Die Montierung wird per Augenmaß schonmal soweit auf Polaris ausgerichtet, daß dieser im Polsucher erscheint. Dann wird die Klemmung der Deklinationsachse soweit gelöst, dass man diese mit der Gegengewichtsstange gerade so eben drehen kann, ohne die Montierung im Ganzen zu bewegen. Die Deklinationsaches muß nun nun soweit gedreht werden, bis die Gegengewichtsstange quasi deckungsgleich mit den beiden Sternen Polaris und Kochab aus dem Sternbild "Kleiner Bär" steht. Dies geschieht, weil der tatsächliche Himmelspol etwa 0,7° entfernt von Polaris auf einer gedachten Linie zwischen Kochab und Polaris liegt. Die Gegengewichtstange stellt dann quasi diese Linie dar. Ist dies erfolgt, kann die Klemmung wieder festgezogen werden. Anschließend wird die Montierung auf dem Stativ mit den Justageschrauben für die Polhöhe und die horizontale Ausrichtung so eingestellt, dass Polaris im Polsucher auf dem entsprechenden "Jahreskreis" (2010 ist die mittlere der drei Kreislinien) zwischen der Position des tatsächlichen Himmelspols (der Mitte der Strichplatte) und  der Gegengewichtstange zum liegen kommt. Dazwischen deshalb, weil der Polsucher ein seitenverkehrtes Bild anzeigt - der Himmelsnordpol liegt tatsächlich zwischen Polaris und Kochab, im umkehrenden Polsucher aber muß Polaris zwischen Himmelspol und Kochab eingestellt werden.

Zum besseren Verständnis hier noch eine kleine Skizze zur Einnordung mit der Kochab-Methode:


















Viele der auf meiner Webseite gezeigten Deepsky-Astrofotos entstammen der Kombination Meade 6" f/5 Newton + Canon EOS1000D, montiert auf der hier vorgestellten EQ-EM10. Teilweise habe ich aber auch nur die Canon auf der Montierung laufen, um z.B. Übersichtsaufnahmen des Sternenhimmels schießen zu können. Mit kleineren Brennweiten kann die Belichtungszeit dann auch schon mal auf etwa 90 Sekunden gebracht werden, ohne das der Schneckenfehler gleich extrem auffällt.

Es sei aber abschließend nochmal darauf hingewiesen, daß die EQ-EM10 keine Fotomontierung ist. Diesen Ansprüchen kann sie nicht gerecht werden. Wem aber, wie mir, schon kleine Ergebnisse ausreichen, der kann mit dieser Montierung schon ´ne Menge Spaß haben. Und wie auch schon erwähnt, visuell ist sie wirklich sehr gut zu gebrauchen. Mit ihrer Tragkraft von 8-9kg liegt sie in der EQ-5 Klasse, kostet aber mit den Motoren und dem Polsucher wesentlich weniger, als eine vergleichbar ausgestattete EQ-5.

edit: Ende Mai 2010 habe ich diese Montierung durch eine wesentlich gleichmäßiger laufende Meade LXD-75 Montierung ersetzt.