Start Beobachtungsberichte 2012 25.+27.03.2012 - Die lebende und eine sterbender Sonne

Die lebende Sonne

Nach einiger Abstinenz hatte ich am Sonntag den 25. März endlich mal wieder die Gelegenheit einen ausgiebigen Blick auf unseren Heimatstern, die Sonne zu werfen. Am Samstag hatte ich zwar schonmal wieder die Gelegenheit, aufgrund nicht so großer Aktivität und durchziehender Zirren, beschränkte sich die Beobachtung aber auf vieleicht 15-20 Minuten.

Am Sonntag Mittag aber hatte ich etwas länger Zeit und die Bedingungen waren soweit auch ganz gut. Eigentlich hatte ich sogar vor mal eine H-alpha-Sonne zu zeichen. Dazu ließ es aber meine kleine Tochter nicht kommen, der ich zwischendurch bei den noch zu erledigenden Hausaufgaben helfen, und auch sonst noch auf die ein oder andere Frage eine Antwort finden mußte. Klar, es war Wochenende und in der Woche ist Papa ja nur wenig zu Hause - zumindest am Tage.

Kurzerhand fragte ich sie, ob sie vieleicht auch Lust hätte ein wenig Sonne zu gucken, was sie mit einem lauten "Au ja" beantwortete. Und damit ich an meinem PST-Sonnenteleskop ein wenig Ruhe haben konnte, baute ich der Kleinen schnell "Oswald", meinen kleinen 60/900 Refraktor, natürlich versehen mit einem Baader-Sonnenfilter, in der Einfahrt auf.

































Fünf Meter entfernt machte ich es mir mit meinem PST, montiert auf der LXD-75 Montierung gemütlich. Ich wählte diese Montierung, da ich ja eigentlich zeichnen wollte und diese Monti ja über eine elektrische Nachführung verfügt. Aber wie gesagt, mit der Kleenen "im Schlepptau" war mir das einfach zu wuselig und zu unruhig. Aber egal, auch so hatte ich viel Spass beim Beobachten der Sonne im H-alpha-Licht des kleinen PST´s.



Endlich zeigte sich auch, dass sich die Anschaffung des Siebert-PST-Glaswegkorrektors voll gelohnt hatte. Wie auch bei der Beobachtung im Weißlicht oder der nächtlichen Planetenbeobachtung, steigt die Detailwahrnehmung enorm, wenn man mit beiden Augen beobachten kann. Der Lichtverlust durch die Aufteilung des Strahlenbündels auf zwei Okulare ist zwar gerade bei den 40mm Öffnung des PST deutlich festzustellen, der Gewinn an beobachtbaren Details macht das aber locker wieder wett. Einfach fantastisch, grandios oder flappsig gesagt, einfach nur geiel!

Da das PST ja wie gesagt nur 40mm Öffnung hat und noch dazu ja nur die H-alpha-Wellenlänge um 656nm durchlässt, wird das Bild bei steigender Vergrößerung schnell dunkel. Aus dem Grund empfiehlt es sich, sich ein schwarzes, lichtundurchlässiges Tuch, oder wie ich, ein schwarzes Harley-T-Shirt, über den Kopf und das Teleskop zu hängen, um störendes Streulicht von den Augen fern zu halten. Gleiches gilt natürlich nicht nur für die binokulare Beobachtung, sondern bringt auch monokular deutlichen Detailgewinn.
































Die Sonne zeigte sich am Sonntag von ihrer ganz vorzüglichen Seite. Am Rand waren sehr schöne Protuberanzen zu sehen, teilweise auch welche, die sich innerhalb weniger Minuten deutlich in ihrer Struktur veränderten. Da ich das Zeichnen ja drangegeben hatte, und ich keine Lust hatte die Webcam und das Netbook raus zu holen, entschloss ich mich schnell meine EOS zusammen mit meiner 2-fach TS-Barlow an den Start zu bringen, um wenigstens etwas von dem tollen Anblick festhalten zu können. Mit der EOS (ohne Objektiv) und der Barlow ist es möglich die Sonne im Ganzen abzulichten, was mit der Webcam aufgrund ihres kleinen Bildsensors nicht möglich ist. Leider zeigt sich dabei aber auch, dass die H-alpha-Empfindlichkeit nicht über das komplette Gesichtsfeld gleichmäßig verläuft - daher die unterschiedliche Helligkeit und der nicht gleichmäßige Kontrast auf nachfolgendem Foto. Man muß auch bei der visuellen Beobachtung die Sonne immer wieder durch´s Gesichtsfeld "schieben", um alle Details erhaschen zu können.






























Nach ca. 1 1/2 Stunden intensiver Beobachtung mit verschiedenen Vergrößerungen, war´s dann auch erstmal wieder genug. Mein dreijähriger Sohnemann hatte seinen Mittagsschlaf beendet und verlangte ebenfalls wieder nach seinem Daddy.



Die sterbende Sonne

Am 16. März wurde in der ca. 33 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Messier 95 eine Supernova entdeckt. Dank Christian (astrobart) wurde die Information auch in unserem Astroforum schnell publik und viele Forenmitglieder stürzten sich mit ihrem Astroequipment, sei´s visuell oder fotografisch, auf den explodierenden Stern. Es ist schon was besonderes, so ein Sternentod, verschafft er uns doch die seltene Möglichkeit, in einer so weit entfernten Galaxie, die visuell und auch oftmals fotografisch nur neblig erscheint, einen einzelnen Stern (bzw. was davon nach seiner Explosion davon zu sehen ist) über mehrere Wochen als kleines, meist schwaches Pünktchen auszumachen.

Für mich war es die vierte Supernova, die ich sowohl visuell, wie auch fotografisch beobachten konnte. Am 21. März konnte ich sie zum ersten Mal mit meinem 8" Dobson beobachten, was unter meinem ländlich dunklen Himmel erfreulicherweise kein Problem darstellte. Obwohl es ganz leicht diesig war, lies sich die Supernova nicht lange bitten, trotz dass zusätzlich erschwerend der grelle Mars in unmittelbarer Nähe stand. Nachfolgendes Foto aus der gleichen Nacht belegt das ganz gut. Im Okular war manchmal ein unschöner Lichtreflex zu bemerken.






























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Da es mich reizte, die Supernova und M95 auch zu zeichnen, bin ich in der Nacht des 27. auf den 28. März nochmal raus. In den Nächten davor ging leider nichts, da der Himmel hier sehr trüb war und auch immer wieder Wolken durchzogen.

Bevor ich aber den Dobson zum auskühlen rausstellte, packte ich noch meine EOS und fuhr raus ins Feld, um die schöne Konstellation aus Mond, Venus und Jupiter abzulichten. Gerade am Abend des 27. März fand ich den Anblick sehr schön, da der Mond genau mitten im "Goldenen Tor der Ekliptik", also zwischen den Plejaden und den Hyaden stand. Diesen Anblick habe ich in mehreren Kompositionen festgehalten.

Zuerst eine Panoramaaufnahme aus 6 zusammengebauten Einzelbildern, die auch meinen Wohnort Lengefeld nahe unserer Kreisstadt Korbach zeigt. Links im Bild unser Hausberg namens Eisenberg mit dem leider seit ein paar Jahren hell erleuchteten Georg-Viktor-Turm. Erst beim "Zusammenbauen" der Einzelaufnahmen bemerkte ich, dass ich zufällig sogar noch einen Iridiumflare zwischen Venus und Jupiter eingefangen hatte.


















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Dann bin ich noch 2 Kilometer weiter gefahren, um die Szenerie noch aus einem anderen Blickwinkel festzuhalten. Dazu baute ich die Kamera direkt an einer Landstrasse auf, um Autoscheinwerferstrichspuren mit ins Bild "einzubauen".






























Aber nun wieder zurück zum sterbenden Stern. Nachdem ich gegen 22Uhr wieder daheim war, baute ich meinen 8" GSO Dobson in der Einfahrt auf, ließ ihn in Ruhe auskühlen, während ich drinnen schonmal die zuvor geschossenen Fotos bearbeitete und ging dann gegen 23.45Uhr raus, um mir die Supernova in M95 erneut vorzuknöpfen - wie gesagt, mit der festen Absicht endlich mal wieder den Bleistift in die Hand zu nehmen.

Zuerst aber beobachtete ich die Balkengalaxie ganz in Ruhe, in der Hoffnung, den zentralen Balken visuell erhaschen zu können. Leider gelang mir das nicht wirklich sicher. Egal mit welcher AP ich es versuchte, so richig wollte sich die Struktur nicht zeigen. Beim Spiel mit den verschiedenen Vergrößerungen stellte ich aber wieder fest, dass die Supernova mit meinem 5-8mm Speers Waler Zoomokular am deutlichsten zu sehen war. Vor allem im Bereich zwischen 8 und 6,5mm Okularbrennweite, was einer Vergrößerung von 150-185fach und einer AP von 1,33 bis 1mm entspricht, war die Supernova sehr gut zu erkennen. Kein Augenverbieger mit 8", sodass ich weiter davon ausgehe, dass sie auch mit 6" zu erkennen sein sollte.

Dann machte ich mich an die Zeichnung. Da mir der Anblick von M95 im 14mm Speers Waler ganz gut gefiel, wählte ich diesen für die Zeichnung, auch wenn die Supernova damit nicht ganz so deutlich rüberkam. Indirekt war sie aber trotzdem fast durchgehend zu halten. Ich habe auch den Balken von M95 leicht angedeutet, da ich meinte, ihn immer mal wieder erhaschen zu können. Es kann aber auch sein, dass mir mein Hirn da einen Streich gespielt hat, da ich ja von den Fotos her wußte, wie die Galaxie aussieht. Wie gesagt, den Balken kann ich nicht als 100%ig sicher beobachtet festmachen. Eine leichte "Ovalität" des Galaxienkerns habe ich aber sicher beobachten können.

Hier nun die Zeichnung der Nacht:

M95 mit der Supernova SN2012aw
(zur vollen Auflösung bitte anklicken)


Nach Vollendung der Zeichnung machte ich noch einen Schwenk auf den Mars, der im Speers Zoom auch außer der Polkappe noch weitere nette Details zeigte. Dann noch ein abschließender Schwenk auf den Saturn, der ebenfalls nicht mit Details geizte, obwohl er noch nicht so hoch stand. Die Cassiniteilung ließ sich nicht lange bitten und auch die leichte Aufhellung der an die Teilung direkt angrenzenden Ringe konnte ich deutlich erkennen. Das dunkle Wolkenband der Nordhalbkugel ebenfalls. Östlich vom Ringplaneten waren seine Monde Titan, Rhea, Dione und auch Enceladus zu erkennen, westlich des Planeten noch der Mond Tethys.

Dann wurde schnell abgebaut und um 2Uhr lag ich in der Falle. Entsprechend anstrengend gestaltete sich der folgende Tag, da ja um 6Uhr der Wecker wieder klingelte, mein Sohnemann aber auch schon um 5 sich zum ersten Mal zu Wort meldete - die Sorgen eines (Hobby-)Astronomen.