Start Mein Equipment Teleskope 40/400 Coronado PST Sonnenteleskop

Im Juli 2011 hatte ich die Chance für relativ kleines Geld ein gebrauchtes Coronado PST Sonnenteleskop inkl. einer EQ-2 Montierung und eine 10mm Plössl-Okular von meinem Spechtelkollegen Hubertus R. zu bekommen. Während ich mit all meinen anderen Geräten verschiedene Arten von Objekten beobachten kann, kann man mit einem PST lediglich die Sonne beobachten. Dafür aber auf eine Art und Weise, wie es nur mit einem solch speziellen Sonnenteleskop möglich ist.



































Obwohl dieses Teleskop mit 400mm Brennweite nur eine freie Öffnung von 40mm hat, kann man damit erstaunliche Details der Sonnenoberfläche beobachten. So ist es z.B. möglich damit die Protuberanzen, Materieausstöße, die oftmals in Bogenform von der Sonne weggeschleudert werden, zu beobachten. Das ist mit "normalen" Teleskopen, die über einen einfachen Sonnenfilter, wie z.B. die Baader Sonnenfilterfolie verfügen nicht möglich. Dies liegt daran, dass man im sogenannten Weißlicht nur Vorgänge innerhalb der Photosphäre beobachten kann, welche die darüberliegende, leuchtschwache Chromosphäre völlig überstrahlt. Um die Chromosphäre mit ihren Protuberanzen und Filamenten beobachten zu können benötigt man entweder eine Kegelblende, die die Sonnenscheibe bis zum Beginn der Chromosphäre abdeckt, eine totale Sonnenfinsternis, bei der der Mond die Photosphäre komplett verdeckt oder ein spezielles Sonnenteleskop wie dieses PST, dass nur die H-alpha Wellen des sichtbaren Lichts durchläßt. Die Wellenlänge der H-alpha-Wellen liegt bei 656nm, was die knallrote Farbe der Sonne beim Anblick durch ein solches Teleskop erklärt. Um einen möglichst guten Kontrast in der Abbildung zu bekommen, muß das H-alpha-Filter (Etalon) sehr engbandig sein. Coronado bewirbt das PST mit einer Halbwertsbreite von weniger als 1 Angström, was einer Länge von 0,1nm entspricht.

































Das Teleskop besitzt außer der eigentlichen Hauptoptik mit Etalon und Energieschutzfilter noch eine Innenfokussierung und einen eingebauten Sonnensucher, der ähnlich einer Lochkamera funktioniert und ein Miniabbild der weißen Sonne auf einer kleinen runden Mattscheibe neben dem Okularstutzen zeigt. Liegt das Sonnenbild in der Mitte der kleinen Mattscheibe, dann ist die Sonne auch in der Hauptoptik zu sehen. Der Lichteintritt für diese Sucherkonstruktion liegt vorn unterhalb des sogenannten Tunereglers, mit dem das Etalon auf die richtige Wellenlänge hin eingestellt werden kann. Wirklich sehr praktisch für die richtige Ausrichtung des Teleskops auf die Sonne.

Die Innenfokussierung, die auch zur Kompaktheit des PST beiträgt, hat leider einen großen Nachtteil: Der Fokusweg ist recht beschränkt, was die Fotografie mit diesem Teleskop erheblich erschwert. Ohne eine Barlowlinse oder ein Projektionsokular kommt man nicht in den Fokus. Auch die visuelle Beobachtung mit einem Binoansatz ist nur mittels Barlow (mit meiner 2-fach TS-Barlow funktionert es aber auch nicht) oder mit einem speziellen Glaswegkorrektor möglich. Da ich einen solchen (noch) nicht besitze, muß ich unseren Heimtstern leider erstmal weiter monokular beobachten.

Am 07. August 2011 konnte ich die Sonne mit diesem Teleskop auch zum ersten Mal in H-Alpha fotografieren, bzw. filmen. Hier meine erste Aufnahme, die ich mit einer Philips SPC900NC Webcam mit im Webcamadapter eingeschraubtem Barlowelement meiner 2-fach TS-Barlow schießen konnte.

































Die große Protuberanz sieht irgendwie aus wie eine riesige Spinne, die über der Sonne herkrabbelt, oder? Um die Protuberanzen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, muß die Belichtungszeit, bzw. die Verstärkung so hoch eingestellt werden, dass die Oberfläche der Sonne gnadenlos überbelichtet wird. Da das nicht so schön aussieht, habe ich die Sonnenoberfläche nachträglich im Bildbearbeitungsprogramm geschwärzt. Visuell kann man aber am PST sowohl die Oberfläche der Sonne, wie auch die Protuberanzen gleichzeitig gut erfassen. Eine CCD-Kamera wie meine Webcam, hat nicht den Dynamikbereich des menschlichen Auges, sodass sowohl für die Protuberanzen als auch für die Oberfläche der Sonne verschiedene Belichtungszeiten gewählt werden müssen.