Start Mein Equipment Teleskope 60/900 Bresser FH Refraktor

Dieses Teleskop ist seit Ende 2010 in meinem Besitz. Es handelt sich dabei um einen 60mm Refraktor mit 900mm Brennweite aus dem Hause Bresser.


Ich habe dieses Teleskop von einem älteren Herrn geschenkt bekommen, der sich an mich gewandt hatte, weil er Hilfe brauchte, um es zusammenzubauen. Er hatte es selbst vor ein paar Jahren geschenkt bekommen, es aber damals auf dem Schrank verstaut, nachdem er es nicht zusammengebaut bekam. Er wollte es mir eigentlich gleich nach dem Kennenlernen schenken, aber ich bestand darauf, dass er es erstmal in Ruhe ausprobieren sollte, nachdem ich es zusammengebaut hatte. An dem Abend des Zusammenbaus haben wir damit von seinem Balkon aus noch h&chi, die Andromedagalaxie und Jupiter mit seinen vier galileischen Monden beobachtet.

Nach ein paar Wochen dann kam der Anruf von ihm, dass er mir das Teleskop gern schenken möchte, da ihm eine Augen-OP bevorstünde und er sowieso lieber mit dem Fernglas den Himmel erkunden würde. Tja und nun steht das Scope bei mir und wird in Ehren gehalten, hat es doch das Erscheinungsbild eines "klassischen" Teleskops, was auch mir gut gefällt.













Mit 60mm Öffnung ist das Teleskop für die Deepskybeobachtung natürlich schon etwas klein. Von M31 ist nicht viel mehr als der helle Kern zu sehen, was bei 900mm Brennweite zusammen mit dem beiligenden 22mm Kellnerokular (41-fache Vergrößerung) und einer AP von nur 1,47mm auch nicht weiter verwundert. Das zeigt, dass das Teleskop eher in unserem Sonnensystem zu Hause ist und dabei an den hellen Planeten, am Mond und mit Sonnenfilter oder Sonnenprojektionsadapter auch eine, den 60mm Öffnung entsprechend, gute Leistung zeigt.


Zum Lieferumfang gehören:

- Holzstativ
- parallaktische Montierung
- 2 biegsame Wellen zur Bewegung der beiden Achsen (welche hier gefehlt haben, dem Vorbesitzer aber von Meade [Danke Anke!] kostenlos zur Verfügung gestellt wurden)
- Zenitprisma 0,96"
- 22mm Kellner (Ke) Okular
- 9mm Huygens (HM) Okular
- 4mm Ramsden (SR) Okular
- 2x Barlow
- 6x30 Sucher
- Sonnen- und Mond- Okulareinschraubfilter
- Sonnenprojektionsadapter
- Umkehrlinse für terrestrische Beobachtung

















Die etwas wackelige parallaktische Montierung:


























Witzig ist die niedliche, batteriebetriebene Okularablagenbeleuchtung am Stativ, wenngleich sie für die Dunkeladaption wohl eher kontraproduktiv ist.


































Der Sonnenprojektionsschirm zusammen mit dem 22mm-Okular im Einsatz:

Leider kratzt die Sonne bei der Projektion am unteren Rand des Projektionsschirms rum, was damit zusammenhängt, dass der Adapter am Zahn&Trieb-Rohr des Okularauszugs befestigt werden muß, welcher auf dem Foto bis zum Anschlag ausgefahren ist. Ein zweites Rohr, an dem auch das Zenitprisma befestigt ist, muss für den Fokus dann soweit rausgezogen werden, dass das Gesichtsfeld des 22mm-Okulars nicht mehr komplett auf den Schirm paßt. Auch könnte die Alustange des Projektionsschirms noch um das 2-3fache länger sein, um die Sonne noch größer abzubilden - ausreichend Licht wäre dafür vorhanden. Allerdings würde das die komplette Teleskop-Montierungskonstruktion natürlich noch etwas wackeliger machen.


















Der Einsatz des Mondfilters kann bei Vollmond zur Steigerung des Kontrasts Sinn machen, ansonsten würde ich ihn eher weglassen, da er zum einen die Abbildung grün färbt, zum anderen die Lichtsammelleistung bei 60mm Öffnung noch nicht zu starker Blendung führt.























Der Sonneneinschraubfilter hingegen sollte am besten gleich in den Müll wandern! Da diese Art der Sonnenfilter, eingeschraubt ins Okular,  sehr nahe am Brennpunkt des Teleskops liegen, können sich diese so stark erhitzen, dass sie platzen. Daher für die Sonnenbeobachtung besser den Projektionsschirm einsetzen oder sich aus der Baader Sonnenfilterfolie einen Objektivsonnenfilter bauen, wie ich das auch für dieses Teleskop gemacht habe.


























Noch ein kurzes Fazit: Da es im Einsteigerbereich tatsächlich noch immer Teleskope mit nur 60mm Öffnung und 700 oder 900mm Brennweite zu kaufen gibt, möchte ich hier dazu raten, sich nicht mit einem so kleinen Teleskop zu begnügen. Klar, jedes Teleskop hat seinen Himmel, das will ich nicht abstreiten. Aber die erste Begeisterung bei den ersten Beobachtungen von Mond, Sonne und den hellen Planeten Venus, Mars, Jupiter und Saturn wird aufgrund der geringen Lichtsammelleistung und Auflösung schnell abflachen und dazu führen, dass das Teleskop in der Ecke verstaubt. Davon bin ich felsenfest überzeugt, auch wenn es sicher Leute gibt, die lange mit einem solchen Teleskop beobachtet haben. Schon für ein bischen mehr investierte Euros bekommt man heute sehr viel leistungsfähigere Teleskope, mit denen man auch im Deepskybereich, also außerhalb unseres Sonnensystems, schöne Beobachtungen machen kann. Wenn das Geld knapp ist und man nicht gerade zwei linke Hände hat, würde ich eher auf dem Gebrauchtmarkt (z.B. in Astronomieforen, ebay, ...) nach einem größeren Spiegelteleskop (Newton ab 130mm Öffnung aufwärts) Ausschau halten und mit ein bischen Bastelarbeit dafür eine stabile Rockerbox bauen. Hierzu verweise ich auch gern auf meinen Bericht "Modifizierung eines Tchibo-Newton", wo ich den Bau einer einfachen Rockerbox beschrieben habe.

Nichtsdestotrotz habe ich dieses Teleskop gern in meiner "Sammlung" aufgenommen, eben weil es vom Aussehen her ein klassisches Linsenfernrohr repräsentiert. Dieses Gerät ist bisher auch das einzige meiner Teleskope, dem ich einen Namen gegeben habe. Es heißt Oswald, in Erinnerung an einen schönen Abend mit dem netten Herrn, der mir dieses "Prachtstück" vermacht hat.