Start Mein Equipment Zubehör Binoansatz

Seit Ende Mai 2010 bin ich stolzer Besitzer eines Baader Maxbright Binoansatzes. Dieses, wie ein Fernglas anmutende Zubehör hat die Aufgabe, das aus dem Okularauszug austretende Licht in zwei Strahlenbündel aufzuteilen, damit man mittels zwei gleicher Okulare beidäugig am einfachen Teleskop beobachten kann. Was das für Vorteile bringt, folgt weiter unten.

































Geliefert wird der Baader Maxbright Binoansatz in einem kleinen Aluköfferchen, was optisch schon was her macht, ich aber nicht als besonders praktisch empfinde. Problematisch ist nämlich, dass man in dem Köfferchen keine Okulare verstauen kann, sodass es mir gleich zu Anfang auch passiert ist, dass ich zwar den Binoansatz mit im Feld zum beobachten hatte, nicht aber die dafür benötigten Okulare. Daher habe ich mir im Baumarkt einen sogenannten "Fotokoffer" gekauft, der mit einer dicken, teilbaren Schaumstoffmatte ausgestattet ist. Darin habe ich soviel Platz, dass ich alles an Zubehör, was ich für den Binoansatz benötige, darin unterbringen kann.


Inhalt:

- Baader Maxbright Binoansatz

- T2-1,25"-Adapter

- 2x Plössl 26mm Okular

- 2x Hensoldt 15mm Weitwinkelokular (aus einem alten Flak-Fernglas)

- Siebert Multi-Mag-Glaswegkorrektor

- Siebert Glaswegkorrektor für Coronado PST

























Nachfolgend der komplette Aufbau des Binoansatzes mit dem Siebert Multi-Mag-Glaswegkorrektor:




























Als ich den Siebert-Glaswegkorrektor zum ersten Mal auf einem Foto sah dachte ich, dass das Ding bestimmt ordentlich in den Strahlengang des Tubus reinragen würde. Folgendes Foto vom 8" f/6 Dobson zeigt, dass dem nicht so ist. Ich hatte kurz vorher die Sonne (mit Sonnenfilter!!!) beobachtet und für das Foto nur den Sonnenfilter vor der Tubusöffnung abgenommen.























Hier der komplette Aufbau meines Binoequipments in Einzelteilen:




















Von links nach rechts sind das hier die beiden 26mm Plössl-Okulare, der Binoansatz, der T2-1,25"-Adapter und die vier Bauteile des Siebert Multi-Mag-Glaswegkorrektors.


Der Siebert Multi-Mag-Korrektor von Siebert Optics aus den USA heißt so, weil man mit ihm drei verschiedene Brennweitenverlängerungen des Teleskops erreichen kann. Werden die beiden Linsen und die beiden Metallhülsen in der Reihenfolge verschraubt, wie auf dem Foto oben dargestellt, hat man einen Vergrößerungsfaktor von 1,25-fach. Nimmt man die längere der beiden Hülsen und schraubt diese zuerst in den T2-1,25"-Adapter am Bino und schraubt dann die restlichen Teile in der Reihenfolge wie oben abgebildet an diese Hülse, bekommt man eine Brennweitenverlängerung von 2-fach. Nimmt man nur die lange Hülse und die rechte Linse aus dem Foto, dann bekommt man eine Brennweitenverlängerung von 3,5-fach. Somit kann man mit diesem Glaswegkorrektor und einem Satz Okulare bereits drei verschiedene Vergrößerungen erreichen. Am 8" f/6 Dobson wären das bei Verwendung von zwei 26er Plössl-Okularen z.B. 58-, 92- und 162-fach. Der Vorteil ist ganz klar, dass man nur einen Satz Okulare kaufen muss, was gerade dann ins Gewicht fällt, wenn man sich für hochwertige Okulare entscheidet. Der Nachteil ist aber auch klar: Man muss im dunkeln den Glaswegkorrektor umbauen. Momentan mache ich das tatsächlich noch so, wobei ich aber nur die Variante mit 1,25-facher und 3,5-facher Brennweitenverlängerung nutze, weil ich dann die linke Linse und die linke Hülse nur rausschrauben muss.

Hier der komplett zusammengeschraubte Siebert Multi-Mag-Glaswegkorrektor in der Variante mit 1,25-facher Brennweitenverlängerung:























Die vier Bauteile sind mit den Nummern von 1-4 versehen, die Linsen zusätzlich noch mit Pfeilen, die anzeigen, wie rum die Linsen in den Strahlengang geschraubt werden müssen. Dabei muss der Pfeil immer vom Binoansatz weg zeigen. Die ins Material eingeschlagenen Zahlen und Pfeile habe ich mit einem wasserfesten Stift noch schwarz ausgemalt, damit man die Zahlen Nachts mit Rotlicht besser erkennen kann. Das gestaltet den nächtlichen Umbau des Glaswegkorrektors für verschiedene Vergrößerungen schon etwas einfacher. Und damit ich nicht vergesse, wie welche Teile zusammengeschraubt werden müssen, habe ich mir die Reihenfolgen auf einen Zettel geschrieben und diesen im Binokoffer auf den Schaumstoff geklebt (s. Foto oben).

Auf Dauer werde ich aber wohl auch noch ein oder zwei Okularsätze kaufen, da das Wechseln der Okulare wesentlich einfacher ist. Ich habe auch keine Probleme mit der Justage der Okulare. Laut Anleitung des Baader Maxbright Binoansatzes muss man die Okulare mittels der drei Schrauben der beiden Okularstutzen exakt auf die optische Achse des Binoansatzes ausrichten. Bei mir reicht in den meisten Fällen aus, die Okulare einfach ungeklemmt in die beiden Okularstutzen zu stecken. Dann noch etwas mit dem Dioptrienausgleich spielen, bis beide Kanäle scharf abbilden und fertig. Da ich dachte, dass das mit dem Ausrichten der Okulare komplexer ist, hatte ich mich für den Multi-Mag-Korrektor von Siebert entschieden. So wie ich es aber heute sehe, hätte der einfache Glaswegkorrektor mit 1,25-facher Brennweitenverlängerung auch gereicht.



Wofür ein Glaswegkorrektor (GWK)?

Der Einsatz eines Binoansatzes an einem Teleskop ist leider nicht ganz so einfach, wie man erstmal denken mag. Das Hauptproblem liegt darin, dass der optische Weg, den das Licht im Binoansatz zurücklegen muß, der sogenannte Glasweg, recht lang ist - beim Baader Maxbright ca. 110mm. Um im Okular eine scharfe Abbildung zu bekommen, muss´das Okular in der Bildebene, also dem Brennpunkt des Teleskops sitzen. Dieser liegt normalerweise im Fokusbereich des Okularauszugs, kann bei einem Fototeleskop aber auch etwas weiter draussen liegen. Das gilt auch für die Nutzung eines Binoansatzes. Auch hier muss die Bildebene in den beiden Okularen liegen. Aufgrund des langen Glaswegs durch die Prismen im Binoansatz gelingt das aber nicht mehr. Die Bildebene des Teleskops muss also um die Glasweglänge des Binoansatzes weiter nach aussen gebracht werden.

Dafür gibt es drei Möglichkeiten:

1. Kürzen des Teleskoptubus um die Länge des Glaswegs

Das bringt aber zwei neue Probleme mit sich. Zum einen kommt man dann ohne den Binoansatz nicht mehr in den Fokus - es sei denn, man verwendet am Okularauszug eine entsprechend lange Verlängerungshülse, was aber den Okularauszug durch die Hebelwirkung auch stark belasten wird. Das zweite Problem ist, dass nicht mehr die volle Teleskopöffnung genutzt wird. Bei einem Refraktor wird ein Teil des Lichtkegels an den im Tubus verbauten Blenden "hängen" bleiben, im ungünstigen Falle sogar für erhebliches Streulicht im Tubus sorgen. Bei einem Newton wird ein Teil des Lichtkegels am Fangspiegel vorbei wieder aus der Tubusöffnung herausreflektiert. Denn der Lichtkegel wird an der Position des Fangspiegels ja größer werden, wenn der Hauptspiegel durch die Tubuskürzung näher an den Fangspiegel herangebracht wird. Dies bringt in beiden Fällen, also Refraktor und Newton, mit sich, dass nicht mehr die volle Auflösung der lichtsammelnden Optik genutzt werden kann. Aus den hier genannten Gründen würde ich von einer Tubuskürzung abraten. Interessant wäre in diesem Zusammenhang vieleicht ein Teleskop mit Schiebetubus, wie sie z.B. die neue Skywatcher-Dobson-Serie bietet. Da könnte man vieleicht für die Beobachtung mit Bino den Öffnungsverlust verschmerzen. Denn zum Beobachten ohne Binoansatz kann ich ja den Tubus wieder auseinanderziehen und habe wieder die volle Teleskopöffnung zur Verfügung. Dennoch bleibt bei der Binoansatznutzung natürlich der Nachteil, dass nicht mehr die maximale Leistung des Teleskops abgerufen werden kann. Da aber die maximal mögliche Vergrößerung durch das Seeing meist eh nicht erreicht werden kann, wird ein Binoansatz ohne Glaswegkorrektor an einem Teleskop mit Schiebetubus auf jeden Fall eine Bereicherung sein.

2. Einsatz eines Barlowelements

Ein Barlowelement weitet den Strahlengang etwas auf und bringt dadurch die Bildebene weiter nach außen. Als ich meinen Siebert-GWK noch nicht hatte, habe ich auch das Barlowelement meiner 2-fach TS-Barlow an meinem Binoansatz verwendet. Dies bringt allerdings auch wieder ein Problem mit sich. Durch den langen Glasweg des Binoansatzes ist der Abstand zwischen dem Barlowelement und den Okularen sehr groß. Dadurch erhöht sich auch der Vergrößerungsfaktor der eingesetzten Barlowlinse erheblich. Selbst mit den 26mm Plösslokularen konnte ich z.B. nur einen Ausschnitt der Mondoberfläche beobachten. Der Verlängerungsfaktor müßte bei über dem 3fachen der Teleskopbrennweite gelegen haben - meist schon zuviel für die anzutreffende Luftunruhe. Außerdem bringt die Barlow leichte Farbsäume in die Abbildung. Diese waren aber nicht so schlimm, wie ich anfangs erwartet hatte.

3. Einsatz eines Glaswegkorrektors

Der Glaswegkorrktor, kurz GWK genannt, ist eine Linse, bzw. eine Linsenkombination, die zum einen zur Aufgabe hat, die Bildebene soweit nach außen zu bringen, dass man mit dem Binoansatz wieder in den Fokus kommt, zum anderen soll sie Farbsäume korrigieren, die durch die Prismen im Binoansatz entstehen.


Unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile der drei vorgenannten möglichen Varianten, erschien mir der Einsatz eines Glaswegkorrektors der beste Weg zu sein, um an meinen Teleskopen in den Fokus zu kommen. Nun kam aber die Frage, für welchen GWK ich mich entscheiden sollte. Baader führt ja auch mehrer GWK´s im Angebot. Diese haben aber den Nachteil, dass sie bereits einen recht hohen Verlängerungsfaktor haben. Noch dazu muss man sich schon beim Kauf entscheiden, für welches Teleskop man den GWK anwenden möchte. Bei der Auswahl spielt es nämlich eine große Rolle, wieviel Glasweg tatsächlich überbrückt werden muss. Hat man im Fokussierbereich des Okularauszugs noch etwas Luft, dann muss ja nicht der volle Glasweg des Binoansatzes ausgeglichen werden. Wieviel Weg man tatsächlich überbrücken muss, kann man ganz einfach rausfinden, indem man das Teleskop auf den Mond ausrichtet, den Okularauszug komplett nach innen, also intrafokal einfährt, ein weißes Blatt Papier über den Okularauszug hält und den Abstand zwischen Okularauszugoberkante und dem Papier misst, bei dem der Mond scharf auf dem Papier abgebildet wird. Nun nimmt man die Länge des Glaswegs des Binoansatzes, den man sein Eigen nennt und subtrahiert davon den gemessenen Abstand. Schon weiß man, wieviel Zentimeter man noch ausgleichen muß, um mit dem Bino in den Fokus zu kommen. Soweit die Theorie. In der Praxis würde ich lieber noch ein oder zwei Zentimeter hinzurechnen.

Als ich mir den Binosansatz gekauft habe, habe ich mir auch den 2,6-fach-Glaswegkorrektor von Baader mitgekauft, da dieser laut Händler auf jeden Fall an meinem 8" f/6 Dobson funktionieren würde. Dies war aber leider nicht der Fall. Trotz dass ich den Hauptspiegel mit den Justageschrauben soweit wie eben möglich in Richtung Okularauszug korrigiert hatte, fehlten mir letztendlich ca. 2mm um mit diesem Baaderkorrektor in den Fokus zu kommen. Also blieb mir erstmal nichts anderes übrig, als mit dem Barlowelement meiner 2-fach TS-Barlow zu beobachten, was aber einen noch höheren Brennweitenverlängerungsfaktor zur Folge hatte, als die 2,6-fach des Baader-Korrektors. Letztenendes war das aber nicht so schlimm für mich, da ich sowieso von Anfang an vor hatte, bei Harry Siebert in den USA einen Glaswegkorrektor zu bestellen. Zum einen garantiert Herr Siebert, dass es mit seinen GWK´s keine Fokusprobleme mehr gibt, und das noch dazu mit einer Brennweitenverlängerung von nur 1,25-fach, was dann auch den Einsatz des Binoansatzes im Deepskybereich erst in vollem Umfang möglich macht. Da in den Astronomieforen auch immer von den Siebert-Korrektoren geschwärmt wird - ich habe noch nie was negatives darüber gelesen - stand für mich schon lange vor dem Kauf des Binoansatzes fest, dass für mich nur ein solcher Korrektor in Frage kommt. Dennoch hatte ich beim Kauf des Binos schon damit gerechnet erstmal mit dem 2,6-fach-Korrektor beobachten zu können. Mit dem Siebertkorrektor bin ich aber rundum glücklich. Empfehlen würde ich aber nicht den Multi-Mag-Korrektor, wie ich ihn habe, sondern den einfachen 1,25"-Glaswegkorrektor mit 1,25-facher Brennweitenverlängerung, da ich denke, dass der Wechsel der Okulare vor allem im Dunkeln einfacher ist, als den GWK für verschiedene Vergrößerungen umzuschrauben.


Warum überhaupt beidäugig beobachten?


Das binokulare Sehen am Teleskop ist eine völlig andere Welt. Auch wenn beide Augen eigentlich das Gleiche sehen - man hat ja nur ein Teleskop mit einer lichtsammelnden Optik - der Detailgewinn ist dermaßen imens, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, Sonne, Mond und Planeten nur noch mit einem Auge zu beobachten. Schon verrückt, was das Gehirn aus den beiden gleichen Informationen so zusammenbastelt. Dabei ist es nicht nur so, dass vor allem der Mond plastischer wirkt, auch sonstige Details sind besser zu sehen, bzw. überhaupt mit zwei Augen erst zu sehen. Der Mond wirkt so plastisch, als ob man gerade neben Armstrong, Aldrin und Collins in der Apollo-Komandokapsel sitzt und durch ein Bullauge raus auf den Mond guckt. Hab ich monokular zuvor nur einfach Hänge und Zentralberge in den Kratern bestaunt, so fallen mir nun nochmehr Details auf, wie z.B. verschiedene Plateauniveaus an den Kraterhängen, die mir zuvor nicht aufgefallen waren. Ein gutes Beispiel ist auch die Sonnenbeobachtung im Weislicht (natürlich nur mit geeignetem Objektivsonnenfilter!).

































Habe ich früher nur richtig Spass bei der Sonnenbeobachtung gehabt, wenn eine schöne Fleckengruppe zu sehen war, so kann ich mich jetzt schon an nur einem Fleck kaum satt sehen. Die Details von so einem Fleck reichen schon aus, um mich an den Gummimuscheln der Okulare festzusaugen. ;-) Die Umbren und Penumbren der Flecken erscheinen so detailreich wie nie zuvor monokular beobachtet. Hinzu kommt, dass ich monokular meist die Granulation oder Flares nur ganz schwach sehen konnte. Das Seeing spielte dabei eine große Rolle. Mit dem Binoansatz springen mich diese Details regelrecht an. Es klingt unglaublich, man kann es aber sehr gut nachvollziehen, wenn man mal mit einem Teleskop mit Binoansatz beobachten kann und dabei mal ein Auge zu und wieder auf macht. Der Unterschied ist wirklich verblüffend.

Gerade bei der Planetenbeobachtung fällt ausser dem Detailgewinn noch was auf: Obwohl es totaler Quatsch ist, scheint die Vergrößerung beim Beobachten mit beiden Augen höher zu sein, als mit nur einem Auge. Auch das fällt sofort auf, wenn man beim Binogucken zwischendurch mal ein Auge schließt.

Auch bei der Deepskybeobachtung ist das binokulare Sehen interessant, wenn auch für mich bisher nicht sooo gewinnbringend. Witzigerweise wirken offene Sternhaufen plötzlich räumlich. Das ist allerdings nicht real sondern nur eine optische Täuschung, die uns das Gehirn vorgaukelt. Beim Beobachten von Kugelsternhaufen und Nebeln konnte ich bisher noch keinen wirklichen Vorteil ausmachen.


Alles in Allem ist der Binoansatz mit dem Siebert Glaswegkorrktor eine echte Bereicherung für mein Beobachtungsequipment. Klar hatte ich auch sonst immer meinen Spass, wenn mir der Postbote ein neu erworbenes Astrospielzeug überreichte. Einen solchen "Aha-Effekt" wie mit dem Bino hatte ich aber zuvor nur, als ich Anfang 2008 vom kleinen 76/700 Tchibo-Newton (noch mit den schrottigen 0,96" Okularen) auf den 8" f/6 Dobson aufgerüstet habe.

Ein erster Beobachtungsbericht mit diesem Binoansatz (aber noch ohne Siebert GWK) kann hier nachgelesen werden.