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Unverhofft kommt viel zu selten ...

... zumindest, was klaren Himmel angeht.

Doch heute, am Tag des 11ten Geburtstags meiner großen Tochter, war die Überraschung perfekt. Entgegen der Wettervorhersagen klarte es am späten Nachmittag mehr und mehr auf. Als wir die Geburtstagsgäste verabschiedet und die Wohnung wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt hatten, ging ich gegen 20.30Uhr zum Nachbarn rüber, um ihn zu fragen, ob er Lust hätte Sterne gucken zu gehen. Ohne groß zu überlegen stimmte er zu und wir trugen zuallererst meinen großen 16" Dobson raus, damit der Spiegel sich schon mal an die 0° Außentemperatur gewöhnen konnte.

Nachdem ich mich dann umgezogen, meinen Beobachtungskrempel in die Einfahrt getragen und die Straßenlaterne "ausgeknipst" hatte gings dann gegen 21Uhr los.

Da ich vom Wetter doch sehr überrascht wurde, hatte ich mich gar nicht richtig vorbereiten können. Mein Ziel war es eigentlich, die tollen letzten Beobachtungsberichte von Forenkollege Costa nachzuvollziehen, hatte er doch in den letzten Wochen einige schöne Objekte "abgeschossen", die ich auch noch garnicht beobachtet hatte. Dazu hatte ich mir vor einigen Tagen seine Berichte ausgedruckt und Aufsuchkarten der Objekte ausgedruckt. Ich hatte sie aber nicht ausreichend studiert, was sich dann später auch rechen sollte.

Aber ich hatte auch noch andere Aufgaben auf meiner "To-do-Liste". So hatte meine "16Zoll-Dobson+5"-Richie-Kombi" ihr First Light noch nicht vollziehen können und auch mein kürzlich erstandener Fisheye-Objektivaufsatz für meine EOS hatte noch kein Sternenlicht gesehen.

Zuerst aber schubste ich meinen 16"er erstmal mit dem 32ger TS WA auf M42. An diesem fiel mir, trotz leicht diesigem Himmel, sofort die leicht grünliche Farbe auf. Hey, zum ersten Mal Farbe an M42. Große Klasse. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich bisher nur einmal beim letzten ATB in Hertingshausen, als ich M57, den Ringnebel in der Leier, grünlich sehen konnte. Ich bemerkte beim Beobachten des Orionnebels aber auch, dass der Spiegel ganz offensichtlich noch nicht auf Betriebstemperatur war. Zwar war es kein Problem das Trapez in seine vier hellsten Sterne aufzulösen, aber die Abbildung war doch ziemlich schwammig.

Während Nachbar Henning den 8" Dobson seines Sohnes in der Einfahrt neben meiner Kombi aufbaute, beschäftigte ich mich erstmal mit der EOS. Es dauert ziemlich lange, bis ich im Livebild des Displays einen Stern zum fokussieren fand. Ein Stern wars letztenendes auch nicht, sondern der helle Mars. Nachdem ich die Kamera mit Fisheye senkrecht in den Himmel ausgerichtet hatte, lies ich sie ein paar 30-Sekunden-Belichtungen bei Blende f/6,3 und ISO1600 schießen. Aus 8 der gewonnen Belichtungen entstand folgendes Summenbild:

































Deutlich sind die Spuren durchziehender, leichter Bewölkung zu sehen, aber auch die starke Aufhellung der östlich von mir in 2km Entfernung gelegenen Kreisstadt Korbach. Osten ist auf dem Foto in etwa zwischen 7 und 8 Uhr.

Aber dann gings mit dem Dobson weiter. Während M42 ja nicht sehr hoch am Himmel steht, ist das Galaxienduo M81/82 in der großen Bärin zur Zeit wieder in höheren Breiten zu finden. Lange hatte ich meine Liebelingsgalaxie M82 nicht mehr beobachten können, also freute ich mich doppelt darauf endlich mal wieder einen Blick auf die Starburst-Gx werfen zu können. Dabei machte ich dann auch meine ersten Erfahrungen mit den Gegengewichten, die ich ja wegen des aufgesattelten 120/600 Richfieldrefraktors anbringen mußte. Das Handling ist doch sehr umständlich und teilweise auch recht nervig. Wenn man nicht aufpasst ist es schnell passiert und der Dobson schlägt in eine Richtung um. Man muß die Gewichte schon ein bischen hin- und herbewegen, bis man die passende Balance für die gerade gewünschte Beobachtungshöhe gefunden hat. Sehr schade, denn dadurch geht einiges von der Spontanität einer Dobsonmontierung verloren. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, ich hatte aber bereits nach dem Umbau damit gerechnet, dass dies noch nicht der Weisheit letzter Schluß sein würde. Leider bestätigten sich meine Vermutungen.

Die Kombination aus großem Dobson und aufgesatteltem Richie ist aber prinzipiel schon genial, wie ich auch an M81/82 gleich bemerkte. Der Richie ist dabei wie ein Supersucher. Da ich nur ein 2"-Übersichtsokular besitze und dieses am 16"er einsetzen wollte, hatte ich den ganzen Abend mein 32ger Plössl im OAZ des Richie eingesteckt, was auch ganz nett war. Leider verschlechterte sich der Himmel immer mal wieder, sodaß die damit erreichte AP meist zu groß war.

Henning versuchte indes dem Mars Details mit seinem 8"er zu entlocken. Während er etwas enttäuscht schien, da er zuerst nichts entdecken konnte, hatte ich schnell meine Freude an dem roten Planeten. Im 16"er bei 366facher Vergrößerung war der Mars zwar immer noch recht hell und so richtig scharf bekam ich ihn auch nicht rein, dennoch waren die große Syrte und die nördliche Polkappe sofort zu erkennen. Das Seeing war zwar nicht perfekt, aber zwischendurch gabs immer mal ganz schöne Momente, wo man die Details etwas deutlicher erkennen konnte. Danach versuchte ich den Mars auch mal im 8"er Dobson. Da gefiel er mir doch noch etwas besser, da zum einen nicht so hell, zum anderen auch schön scharf begrenzt. Ich denke mal, dass der Spiegel des 16"ers noch nicht so recht temperiert war. Auch vermute ich, dass das Tubusseeing des 16"ers noch seinen negativen Anteil an der etwas flauen Abbildung hatte.

Dann gings wieder zurück in den Deep Sky. Das erste für mich neue Objekt wollte aufgesucht werden - NGC2359 - Thors Helm, im Sternbild Großer Hund. Costa hett berichtet, dass es einfacher war diesen riesigen Gasnebel mit OIII-Filter aufzusuchen. Da der große Hund in unseren Breiten ja auch ziemlich tief am Himmel steht und ich noch dazu in unserer Einfahrt leider keine freie Horzontsicht habe und über Dächer und Bäume hinweg beobachten muß, versuchte ich es erst garnicht ohen OIII. Ich hatte im leichten Dunst schon Probleme mit bloßem Auge die beiden Sterne am Himmel zu entdecken, die mir zum Aufsuchen der richtigen Region helfen sollten. Die Sterne sind übrigends 4m1 (das "Ohr" vom Hund), bzw. 4m8 (westlich von M47) hell. Diese nur gerade eben mit bloßem Auge zu entdecken zeigen doch, wie schlecht der Himmel vor allem in dieser "Höhe" überm Horizont war. Umso überraschter war ich, dass ich Thors Helm fast sofort im Gesichtsfeld meines 32ger TS WA´s hatte. Die Form war relativ gut zu erkennen. Erinnerte mich ein klein wenig an den Kopf von Micky Maus. Dann versuchte ich es mit höherer Vergrößerung. Mit dem 14er Speers komme ich am 16"er auf 131fach. Trotz OIII fand ich den Nebel zuerst gar nicht. Erst nachdem ich mit dem Übersichtsoku und eingeschraubtem Baader UHC-S Filter die Position wiedergefunden hatte, konnte ich den Nebel auch im 14er Speers entdecken. Aber der Anblick ließ doch stark zu wünschen übrig, sodaß ich noch ein wenig mit dem Übersichtsokular beobachtete. Im UHC-S Filter war die Form auch bereits zu erahnen. Nicht so gut wie mit dem Baader OIII, aber es ging schon. Dann versuchte ich es ohne Filter. Die Position des Nebels zusammen mit den ihn umgebenden Sternen hatte ich mir recht gut eingeprägt. Trotz allem war ohne Filter nichts von Thors Helm zu entdecken. Rein gar nichts, auch beim leichten wackeln am Tubus war keine Nebelaufhellung auszumachen. Schon erstaunlich, was so ein OIII-Filter da ausmacht. Einmal mehr freute ich mich über den Kauf dieses Linienfilters.























Henning hatte sich in der Zwischenzeit verabschiedet. Ich wollte aber noch etwas weiter beobachten, was natürlich auch bedeutete, dass ich den 16"er allein reinbringen mußte. Das konnte mich aber nicht davon abhalten, noch etwas draußen zu bleiben. Es zogen zwar schon die ersten leichten Wolkenfelder durch, die der Satellitenfilm auch vor dem Rausgehen angekündigt hatte, aber ich wollte mehr.

Etwas weiter östlich von Thors Helm wollte ich mich dann an dem nächsten Objekt aus einem von Costas Berichten versuchen. Es sollte der planetarische Nebel NGC2438 sein, der sich im nördlichen Teil des offenen Sternhaufens M46 befindet. Schon im Übersichtsokular mit eingeschraubtem OIII-Filter war der Nebel deutlich zu erkennen. Dann mit 131facher Vergrößerung war er deutlich als Ringnebel zu erkennen. Ein sehr schöner Anblick, dieser planetarische Nebel, eingebettet in hunderten von Sternen des offenen Sternhaufens M46. Den muß ich unbedingt bei besseren Bedingungen nochmal aufsuchen.

Während sich der Himmel zusehends verschlechterte beschloß ich noch ein weiteres Objekt anzufahren, welches bisher auch noch nicht bei mir auf der Liste gestanden hat - Hickson 44. Die stelle, an der sich das Galaxienquartett befinden sollte war auch sofort gefunden. Allerdings zeigte sich hier sofort, dass ich mich etwas besser hätte vorbereiten müssen. Da ich nicht genau wußte, wo genau die vier Galaxien zu sehen sein müßten, konnte ich nur die beiden hellsten Kandidaten ausmachen - NGC3190 und NGC3193. Die anderen beiden Galaxien konnte ich nicht ausmachen. Es wird wohl vor allem an dem sich weiter verschlechternden Himmel gelegen haben, aber wohl auch daran, dass ich keinen Ausdruck hatte, der die genauen Positionen der vier Galaxien anzeigte.

Somit ist Hickson 44 noch immer auf der "to-do-Liste", zumal wenigstens auch NGC3185 auch im 8"er noch relativ gut machbar sein sollte - entsprechend guten Himmel vorausgesetzt.

Der Himmel zog mehr und mehr zu, somit entschloss ich mich gegen 0Uhr abzubauen. Während ich die ersten Utensilien reingebracht hatte, hatte sich der Himmel innerhalb kürzester Zeit komplett zugezogen. Nicht ein Stern war mehr am Himmel zu sehen. Darauf hoffend nicht vom Schnee überrascht zu werden, wuchtete ich schnell den großen Dobson und den Rest meiner Ausrüstung rein, sichtete noch schnell die Fotos des Abends und ging zu Bett, da der Wecker mich wieder gegen 6 Uhr unsanft aus dem Träumen reißen würde.

Die Erkenntnisse des Abends:

1. Der große Dobson ist und bleibt eine Baustelle. Die Kombination aus langbrennweitigem Dobson und kurzbrennweitigen Refraktor ist zwar visuell großes Kino, vom Handling her in der derzeitigen Version aber noch zu umständlich. Das muß besser werden oder wird wieder in den Originalzustand zurückgebaut.

2. Der Fisheye-Aufsatz für die EOS bildet erwartungsgemäß ab - ist eben nur ein günstiger Aufsatz und kein sündhaft teures, echtes Fisheye.

3. Gute Vorbereitung zahlt sich bei der nächtlichen Beobachtung aus. Diese Erfahrung habe ich aber schon vor 1 1/2 Jahren gemacht, als ich topvorbereitet Stephans Qunitett mit dem 8"er Dobson beobachtet habe.