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07. auf 08.01.2010
Einfahrt vorm Haus
-7,4° Celsius
89% rel. Luftfeuchte

Die Bedingungen waren nicht rosig, es war leicht diesig, dabei aber wechselhaft. Mal etwas bessere Durchsicht, mal schlechter. Nach meiner ersten Dunkeladaption hätte ich die Grenzgröße in uMi auf etwa 5,8-6mag geschätzt. Ein Blick zwischendurch auf die kleine Bärin zeigte aber auch mal nur um die 5 Magnituden.

Nachdem ich zuallererst den 8"er Dobson in die Einfahrt gestellt hatte, baute ich gegen 22Uhr erstmal meine Monti auf, da ich gern noch ein zwei Sternfeldaufnahmen, nur mit aufgesattelter EOS machen wollte - angespitzt durch Nils letzten Bericht, aber auch durch ein Gespräch mit Jan vor ein paar Tagen.

Als die Kamera ausgerichtet und meine EOS-Controlbox programmiert war, machte ich mich mit meinem Okukoffer an den Dobson. Aber es war doch, trotz ausgeknipster Straßenbeleuchtung, ziemlich hell in der Einfahrt. Beim oftmals mitspechtelnden Nachbarn brannte noch Licht - ziemlich hell - da seine Frau aber am nächsten Tag früh raus mußte, wollte ich nicht mehr schellen. Während ich im Sommer dann kleinste Steinchen suche, um sie gegen die Fensterscheibe zu werfen, macht es einem der Winter da leichter - Schneebälle geformt und ab damit, vor die Scheibe geballert. Mr. Green Ich dachte, er würde dann mal am Fenster gucken und sich entschließen auch´n Schritt vor die Türe zu machen, statt dessen knipste er nach dem dritten Bällchen einfach nur das Licht aus. Auch gut dachte ich. Das primäre Ziel war ja erreicht.

Der erste Blick galt - na klar - M42. Irre schön und schon lange nicht mehr im Visier gehabt. Die Schwingen waren schön geschlossen, obwohl mir der Himmel im 32ger TS WA doch etwas zu hell war. Also mein Lieblingsoku rein, das 14mm Speers. Das war schon gleich viel besser. Noch mehr Strukturen zeigten sich, aber leider auch, dass das Seeing sehr grottig war. Aber egal.

Mit dem 32ger wollte ich dann doch nochmal auf M42 gehen, mit eingschraubtem neuen Baader OIII-Filter. Hammermäßig sah das aus. Zwar hatte ich das Gefühl, dass weniger Details im Nebel zu sehen waren, aber der knackedunkle Himmel "davor" rückte den großen Gasnebel noch mehr ins rechte Licht. Einfach nur schön. Im Vergleich zum Baader UHC-S Filter, der wieder mehr Strukturen im Nebel sichbar machte, machte die Gesamtübersicht aber im OIII dank des pechschwarzen Himmels doch etwas mehr Freude.

Mit dem 14er gings dann weiter auf NGC2024, den Flammennebel. Hier machte sich leider der leicht diesige Himmel (in dem Moment leider offensichtlich etwas schlimmer als noch grad zuvor) wieder bemerkbar. Die Flamme hatte ich schon besser gesehen. Vom Pferdchen natürlich keine Spur.

Dann gings weiter auf die "kosmische 37", NGC2169. Sehr schön anzuschauen und man fragt sich, was sie uns sagen will. Mir sagt sie, dass ich mit meinen 37 Jahren laaaaaangsaaaaaaaam auf die 4-zich zugehe.

Wo wir gerade bei meinem Alter und damit beim Geburtstag sind - keine Angst, ihr habt nicht vergessen mir zu gratulieren - in die Zwillingen sollte es nun gehen.

Den Anfang machte der OC M35 und der nebenanliegende NGC2158. Auch ein sehr schönes Pärchen, welches wie im Menschenleben alt und jung beieinander zeigt. Der jüngere Haufen M35 strahlt aber nicht nur aufgrund seines geringeren Alters heller, sondern auch, weil er uns viel näher steht, als NGC2158. Mir persönlich gefällt der schwächere und kompaktere ältere Haufen besser.

Ein Schwenk nach Süden zweigt mir im gleichen Okular (ich klebe mit dem Auge noch immer am 14er Speers) NGC2264. Obwohl Weihnachten ja nu wieder vorbei ist, ist der "Weihnachtsbaum" doch auch wieder nett anzuschauen. Ein klein wenig Richtung Südwesten geschubst und mir offenbart sich "Hubbles veränderlicher Nebel" NGC2261. Deutlich ist die kometenhafte Form mit dem hellen Stern an der "Spitze" zu erkennen. Ein Objekt für mein Speers Zoom, also Okutausch ist angesagt. Und tatsächlich, mit höherer Vergrößerung ist noch etwas mehr zu erkennen. Ein klein wenig Struktur und eine leichte Öffnung am Ende des "Schweifs".

Und noch ein Objekt wollte ich mal wieder aufsuchen, den Eskimonebel NGC2392. Schnell war er eingestellt - seine grünliche Farbe konnte ich aber nicht ausmachen. Dafür auch hier mit höherer Vergrößerung im Speers-Zoom ein überdeutlicher Zentralstern und der Nebel selbst machte eine ziemlich gesprenkelten Eindruck. Einen "Eskimokopf mit Kapuze", wie man das von den Fotos kennt, konnte ich darin aber nicht erkennen. Dennoch verweilte ich eine ganze Weile beim "Schneemenschen", fühlte ich mich mit meinen winterlichen Klamotten doch schon selbst als solcher.

Mir wurde auch langsam kalt an den Füssen und ich hätte schwören können, dass es wesentlich kälter war, als die Nacht Anfang der Woche, als ich Mars gefilmt hatte. Der Blick auf´s Thermometer sagte aber, dass es ein Grad wärmer war. Aber die Luftfeuchte war höher, was mir in der Kombination wohl die größere Kälte vorgaukelte. Ich also kurz rein - mit Rotlicht - und meine neuen elektrisch beheizten Schuhsohlen eingelegt. Die wollten mich aber auch nicht mehr so recht auf Temperatur bringen. Kann aber auch sein, dass die Akkus nicht mehr so voll waren.

Ein Kontrollblick auf meine EOS zeigte, dass das Objektiv zugefroren war - klar bei der Luftfeuchte kein Wunder. Gut das ich in der Einfahrt war und nicht im Feld. Kabeltrommel und Heißluftfön aus der Garage geholt und schwubs war das Objektiv wieder frei. Ein kurzer Dunkeladaption versauender Blick auf ein paar der geschossenen Fotos sagte mir, dass der Bildauschnitt, den ich am Himmel gewählt hatte doch nicht sooo super ist. Daher nochmal etwas neu ausgerichtet und noch ´ne Serie gestartet.

Hier meine erste Aufnahme mit 18mm und 13x 180s Belichtungszeit bei ISO800 mit Blende f/4,5.

Das gleiche Foto nochmal mit Sternbild- und Objektbeschriftung.

Der visuelle Eindruck war natürlich längst nicht der, den das Foto wiederspiegelt - Bildbearbeitung machts möglich.

Da die Dunkeladaption nu eh erstmal hinüber war (warum bin ich eigentlich nur mit Rotlicht rein zum Heizsohlen einlegen???), bin ich mit dem Dobson erstmal auf den hellen Mars. Da auch die Okus zugefroren waren, hab ich die auch erst noch schnell mit der Heißluftpistole enteist.

Mars brachte aufgrund des noch immer üblen Seeings kaum Details. Lediglich die etwas dunkel umrandete Polkappe konnte ich zwischendurch immer mal gut ausmachen.

Die Fuhrmannsternhaufen hab ich auch schon länger nicht beobachtet. Also auch die erstmal wieder aufs Korn genommen. Auch wenn ich nicht so der Open-Cluster-Fan bin, machten alle drei einen netten EIndruck auf mich. Vermutlich, weil ich schon lange nicht mehr vernünftig beobachten konnte.

Ein Blick Richtung Norden sagte mir, dass ich endlich auch mal wieder M81/82 aufsuchen sollte, was ich prompt mit dem 14er Speers anging. Da der Himmel zu dem Zeitpunkt mal wieder ein klein wenig schlechter war, war der Himmel im 14er einfach zu hell. Also, AP anpassen durch höhere Vergrößerung. Da zeigt das Speers Zoom dann so richtig seine Stärken. Mann kann so richtig schön in 1/2-mm-Schritten die AP an seinen Geschmack anpassen. Gerade an M81 macht sich das deutlich bemerkbar. Bei zu hoher Vergrößerung blieb nur noch der Kern zu sehen. Mit abnehmender Vergrößerung zeigte sich zunehmends mehr von den Randgebieten der Galaxie. Die Spiralarme konnte ich leider nicht sicher dingfestmachen - wie auch bei der nicht perfekten Durchsicht.

M82, eine meiner Lieblingsgalaxien, machte hingegen so richtig Spaß. Im Zoomoku auch wieder schön mit der Vergrößerung/AP gespielt und wunderbar offenbarten sich mir die Details in der zerklüfteten Starburst-Galaxie, die lt. Wiki wohl mitlerweile doch als Spiral-Gx enttarnt wurde. Im Fernglas eine längliche Zigarre, weiß diese Gx schon im 8"er sehr schön mit helleren und dunkleren Gebieten zu beeindrucken.

Den Abschluß machte ich an Saturn, der sich langsam aus dem Horizontdunst schälte. Trotz tiefem Stand und nach wie vor miesem Seeing konnte ich blickweise die Ringöffnung ausmachen. Ein Streifen auf der Planetenkugel war auch zu erkennen. Da bin ich mir aber nicht sicher, obs ein Wolkenband oder evntl. der Ring, bzw. Ringschatten war. Östlich vom "Herrn der Ringe" war auch sein größter Mond Titan deutlich zu sehen. Einen kleineren Mond konnte ich westlich von Saturn ausmachen. Der Blick in Stellarium zeigte mir, dass es sich um Tethys handelte. Eigentlich hätte ich östlich auch Rhea noch erkennen müssen, war mir aber nicht aufgefallen. Lags am Seeing? Mmmhhhhh ... Egal.

Mir war mitlerweile richtig kalt und noch schlechter werdende Durchsicht sagten mir, dass es Zeit war abzubauen. Die Kamera ließ ich derweil noch ein paar Darks schießen.

Hier noch mein Sternfeld Nr. 2, in welches sich leider Nachbars Zaun und Haus und unser Einfahrtbusch mogelten. Aber irgendwie hats auch was, wie ich finde.