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Beobachtungsort: Nähe Korbach-Goldhausen
Temperatur: Anfangs 12, später 10°C
Grenzgröße: Schwankend zwischen ca. 3 und ca. 6,3 mag.
Teleskop: GSO 8" f/6 Dobson
Uhrzeit: 0.30Uhr bis 5.15Uhr

Bereits Anfang der letzten Wochen sagte meteoblue CS für Freitag und Samstag Nacht voraus. Freitag wars dann leider nichts, der Himmel war komplett dicht, aber am Samstag schien ein bischen was drin zu sein. Der Tag war recht sonnig, es zogen allerdings viele Zirren durch.

Am Abend war ich erstmal auf dem 40sten Geburtstag einer Freundin meiner Frau eingeladen. Schon im Vorfeld war für mich klar, ich bleibe trocken - kein Tropfen Alkohol sollte meine fest eingeplante Beobachtungsnacht be- oder womöglich glatt verhindern. Da wir meine Schwiegermutter für die Kinderbetreuung gewinnen konnten und diese nicht allzulang auf uns warten lassen wollten, sind wir gegen 0Uhr wieder Heim gefahren. Eine halbe Stunde später war das "Geburtstagstaxi" zum "Astromobil" umgestaltet und es konnte losgehen zu meinem Lieblingsbeobachtungsplatz, ca. 5,5km von meiner Haustüre entfernt.

Nachdem ich meine Klamotten ausgeladen und aufgebaut hatte, mußte ich leider feststellen, dass der Himmel garnicht mehr so gut aussah, wie noch eine halbe Stunde zuvor. Es war diesiger geworden und meine kleine mobile Wetterstation zeigte eine rel. Luftfeuchte von 75% an.

























Das paßte mir nun garnicht in den Kram, hatte ich mir doch ein einziges Objekt für die Nacht vorgenommen, welches ich unbedingt beobachten wollte - PK 104-29.1, auch Jones 1 genannt, ein planetarischer Nebel im Pegasus mit ca, 5´ Durchmesser und nur um die 12mag hell. Leider habe ich nicht viele Infos dazu im Internet gefunden und das was ich ich gefunden habe war noch dazu teilweise etwas widersprüchlich. Daher meine Angaben zu Größe und Helligkeit ohne Gewähr.

In den letzten Tagen hatte ich mich aufsuchtechnisch entsprechend auf das lichtschwache Objekt vorbereitet. Eine Zeichnung und ein Foto des Objekts mit je etwas Feld drumherum hatte ich mir aus dem Internet ausgedruckt. Desweiteren hatte ich mir noch das 218-seitige Intermediate B/C-Set des Tri Atlas von José Ramón Torres ausgedruckt, welches Sterne bis 11,1mag auf Karten mit 14x20° Größe zeigt. Da ich den Atlas noch nicht in Klarsichthüllen gepackt hatte, habe ich mir nur die Seite rausgenommen, die das Feld um Jones 1 zeigt und diese mit in die Mappe geheftet, die seit etwa 2 Jahren das ausgedruckte A-Set des tri Atlas beherbergt.

Also, ich war gut vorbereitet und nun spielte der Himmel in der einzigen wolkenlose Nacht erstmal nicht mit. Aber was nicht ist, kann ja noch werden dachte ich mir, zumal ja die zweite Nachthälfte meist besser ist als die Erste.

Es dauerte auch nicht lange und der Himmel hatte ein Einsehen, die Grenzgröße stieg auf gute 6mag an und ich begann mit dem Aufsuchen von Jones 1. Das Sternfeld um den planetarischen Nebel, mittig über den beiden nördlichen "Kastensternen" des Pegasus, war sehr schnell gefunden und dank des ausgedruckten Fotos konnte ich die Stelle, an der Jones 1 zu finden sein soll auch sofort lokalisieren. Also Baader OIII-Filter in den 2"-auf-1,25" OAZ-Adapter geschraubt und mit dem 14er Speers auf die Suche gegangen. Nichts war zu sehen und dabei dachte ich, dass ich wohl mit etwas höherer Vergrößerung (86fach) am 8"er die größten Chancen hätte, den lichtschwachen Nebel zu knacken. Aber nix war zu sehen, auch nicht, als ich meine Jacke auszog und mir als Streulichtschutz über den Kopf und OAZ des Teleskops hing. Na gut, dann muss ich wohl mit der Vergrößerung doch weiter runter gehen und holte eines meiner 20ger TS SWM Okus aus dem Binokoffer. Auch hier wieder mit der Jacke über den Kopf versuchte ich den Nebel zu entdecken. Zwischendurch beschlug das Oku immer mal wieder, weil die Jacke die "Frischluftzufuhr" behinderte. Also immer mal wieder kurz die Jacke weggezogen, etwas entspannt und dann weiter auf die Suche gemacht.

Gerade als ich dachte, dass da an besagter Stelle im Pegasus irgendwas "aufblinkte", wurde der Anblick wieder milchig. Der Kontrollblick mit der Rotlichtlampe auf die Augenlinse des Okulars zeigte aber keinen Beschlag derselben. Der anschließende Blick zum Himmel hingegen sagte mir, dass es wieder diesiger wurde. So ein Mist ... war ich doch scheinbar knapp davor Erfolg bei der Sichtung zu haben - ich hatte mir das fest vorgenommen, auch wenn´s das einzige beobachtete Objekt der Nacht bleiben sollte.




























Nun ja, was hilfts? Nix, und trotzdem hab ich erstmal geschimpft wie ein Großer. War ja außer mir, den Kühen auf der benachbarten Weide (von der zumindest eine Blähungen zu haben schien) und den Tieren im nahegelegenen Wald keiner da, der meine "Kraftausdrücke" hören konnte. Tiefe Enttäuschung machte sich breit ...

Nach einer Zigarette, ´ner Tasse Kaffee und der Erkenntnis, dass die Transparenz immer schlechter wurde, packte ich mein Bino aus, um von Deepsky erstmal auf Sonnensystem umzuswitchen. Der Jupiter war außer den hellsten Sternen auch das Einzige, was man noch sehen konnte, sogar M31 war nur noch stellar auszumachen. Das Seeing war auch stellenweise garnicht so übel, sodass ich meinen Siebert-Glaswegkorrektor gleich auf höchste Brennweitenverlängerung umbaute, um den Gasplaneten mit 162facher Vergrößerung, die binokular wie gute 250fach wirken, zu beobachten. Leckere Details der Wolkenoberfläche kamen zum Vorschein, zwar kein "Großer roter Fleck" und auch keine Mondschatten, aber ein paar Wirbel und Streifen waren zu erkennen. Zumindest für ein paar Minuten, bis der Jupiter dank der hohem Luftfeuchte auch langsam an Licht verlor. Auch die Detailsauflösung ging nun drastisch zurück. Ein kurzer Schwenk auf Uranus zeigte diesen nur noch als Pünktchen mit schach auslaufenden Rändern.

Also hatte sich die Sonnensystem-Session nun auch erledigt. Prima, was ´ne Sch..ße, entfuhr es meinen Lippen.

Und nu? Klar, Kamera raus und ein bischen damit rumgespielt. Folgende GIF-Animation entstand dabei.




























Und ich mußte doch tatsächlich eine üble Sichtung in Richtung Westen machen - Skybeameralarm.
































Das Teil war mir hier noch nie aufgefallen, könnte aber der Beamer in Winterberg sein, der von Hubertus Sternwarte auch manchmal zu sehen ist.

So allmählich verlor ich auch meinen Optimismus was den Rest der Nacht angehen sollte und ich spielte bereits mit dem Gedanken, die Beobachtung von Jones 1 für diese Nacht als "unerledigt" abzuhaken, meinen gerade nutzlos gewordenen Astrokrämpel abzubauen und wieder Heim zu fahren. Mein Gerödel war mitlerweile klitschnass - die Wetterstation zeigte bei der rel. Luftfeuchte auf dem Display nur noch "Hi" an, was soviel bedeutet wie "es ist extrem feucht draussen, besser trockene Räume aufsuchen".

Tja, ich war auch kurz davor dem nachzukommen, als in Richtung West bis Nordwest der Himmel wieder klarer wurde. Im Osten konnte ich schon Beteigeuze funkeln sehen was mir zeigte, dass ich die Flinte doch noch nicht ins Korn werfen sollte. Es sollte zwar noch ´ne gefühlte halbe Stunde dauern, aber die Grenzgröße nahm wieder zu. Vor allem im Zenit ging jetzt schon langsam wieder was, M31 zeigte wieder deutlich Fläche und nochmal einige Minuten später stand eine prachtvoll strukturierte Milchstraße über meinem Kopf. Es konnte wieder weitergehen mit der Suche nach Jones 1.

Also Teleskop wieder auf Deepsky umgerüstet, sprich das Bino wieder zurück in den Koffer und diesmal gleich mein 20mm TS SWM wieder in den OAZ - natürlich mit dem eingeschraubten Baader OIII-Linienfilter. Und auch die Jacke zog ich mir wieder über den Kopf, was sich tatsächlich als ungemein hilfreich herausstellen sollte. Da war was, genau an der richtigen Stelle. Schnell nochmal ein Abgleich mit dem Foto um sicher zu gehen. Und ja, da war Jones 1. Die erwartete Struktur von zwei sich gegenüberstehenden halbelipsoiden Bögen wollte sich aber noch nicht zeigen. Also beschloss ich mal das 20ger TS SWM gegen eines meiner 26er Binoplössl zu tauschen. Das brachte tatsächlich noch ein bischen mehr. Vor allem ein schwaches Sternchen, was mir als Orientierung zum Nebel diente konnte ich nun indirekt noch besser halten. Hier macht sich tatsächlich ein Nachteil des Baader OIII´s bemerkbar. Der Filter ist so engbandig, dass viele Feldsterne regelrecht ausgeknipst werden. Das zeigte sich ganz deutlich, als ich zum Schluß meiner Jones 1 Beobachtung mal ohne OIII-Filter auf Jones 1 hielt. Ein Vielfaches an Sternen wurde sichtbar, der planetarischen Nebel hingegen war so nicht mehr zu entdecken.

Aber zurück zur Beobachtung mit OIII. Mit Geduld gelang es mir nach einigen Minuten endlich auch im 26er Plössl (46fache Vergrößerung) die beiden Nebelhälften zu separieren. Erst war nur ein relativ großes, unruhiges Nebelfleckchen zu erkennen. Aber mit mit der Zeit und ordentlich Konzentration schälten sich tatsächlich die beiden Bögen heraus, die noch dazu in sich auch noch Verdickungen und Aufhellungen zu haben schienen. Umso länger ich schaute, desto einfacher wurde es die Struktur zu erkennen. Es strengte aber auch enorm an. Während noch eine Zirre oder ein Flugzeugkondensstreifen durch den Pegasus zog, machte ich eine Grenzgrößenbestimmung in Umi, mit dem Ergbnis, dass ich dort auf 6m3 kam. Ein Rundumblick zeigte aber auch, dass die Transparenz stellenweise wieder etwas nachließ. Man konnte nichtmal sagen, dass es von einer Richtung her kam. Egal in welche Richtung ich schaute, hier und da gab es immer mal Flecken am Himmel, wo die Sterne einen Hof hatten. Am Jupiter sah man diese Veränderung natürlich am extremsten.

Nachdem Jones 1 nun erfolgreich geknackt war, machte ich mein Bino wieder startklar. Ich wollte es noch etwas auf Deepskytauglichkeit testen, versprach mir aber nicht mehr allzuviel davon, da sich die Grenzgröße wieder verschlechterte. Aber knappe 6mag dürften es noch gewesen sein, als ich M31 (zweites Staubband im Ansatz), M33 (ein Spiralarm und natürlich NGC604), M81 und 82 (trotz der relativ geringen Vergrößerung von nur 58fach war die Zerklüftung in der Sterneninsel gut zu sehen) und M15 aufsuchte. M57 war nur gerade eben noch zu erkennen, soviel Dunst stand schon wieder über dem Westhorizont.

NGC7000 konnte ich auch noch mit dem Bino aber ohne Filter beobachten. War auch interessant leichte Helligkeitsunterschiede am Bereich um den Golf von Mexico zu erhaschen. Den Cirrus habe ich glatt vergessen. Der Deepskyknüller im Bino aber war der große Orionnebel M42. Zwar zeigte sich auch dort der Dunst schon ein wenig, dennoch waren viele Strukturen im Nebel zu sehen. Das Trapez war auch gut zu erkennen, wenngleich daran auch deutlich zu sehen war, dass das Seeing sich mitlerweile ganz schön verschlechtert hatte. Der vierte der Trapezsterne war bei 58facher Vergrößerung nicht dauerhaft auszumachen und verschmolz ständig mit seinem scheinbar nächsten Begleiter. Die Strukturen im Nebel aber waren trotz der Bedingungen schon atemberaubend. Kaum auszudenken, was da im kommenden Winter, bei hoffentlich besseren Bedingungen als noch im letzten Winter, gehen wird. Und noch was fiel mir gleich auf: Farbe. Ein leichter Hauch von ganz schwachem Grün, vor allem im Bereich des hellen Zentrums des riesigen Gasnebels. Nicht sehr auffällig, aber grau sieht anders aus.

Langsam wurde es auch Zeit abzubauen. Auf den Gedanken kam ich, als sich mir ein Autoscheinwerferpaar näherte. Das war mir hier bis auf einen nächtlichen Radfahrer noch nie passiert, dass sich hier jemand zu so später Stunde hin verirrte. Wahrscheinlich war´s ein Jagdpächter auf dem Weg zu seinem Revier, der ohne anzuhalten einfach an mir vorbeifuhr. Apropos später Stunde, die Zeit hatte ich ganz aus den Augen verloren. Ich dachte so an 3.30Uhr, maximal 4Uhr, als ich im sich nähernden Scheinwerferlicht auf die Uhrzeit meines Handys schaute: 5.05Uhr! Oh je, nu aber Heim. Ein wenig Schlaf wollte ich nun doch gerne noch mitnehmen.

Mein Fazit dieser Nacht: Es hat sich mal wieder gelohnt. Auch wenn es mir die hohe Luftfeuchtigkeit mit dem Hochnebel nicht gerade leicht gemacht hat und ich sicher auch nur deswegen erst so spät Heim gefahren bin, war es ein voller Erfolg. Das Einzige was ich mir fest vorgenommen hatte, habe ich erreicht - die erfolgreiche Beobachtung von Jones 1. Und wieder mal hat sich ausgezahlt, dass eine gute Vorbereitung schon die halbe Miete ist. Bei so lichtschwachen Funzeln find ich es sehr wichtig, sich vorher gut auf die Beoachtung vorzubereiten. Die Stelle, wo sich das Objekt befindet, war zwar auch allein mit dem B/C-Set des Tri Atlas gut zu finden. Was mich allerdings dort erwarten würde, verdanke ich wohl eher dem Foto, welches ich mir aus dem Internet ausgedruckt hatte. Ohne dieses hätte ich es wahrscheinlich dabei belassen eine unruhige Nebelfläche vorgefunden zu haben. Da ich aber wußte, dass gerade die beiden Randbereiche im Vergleich zum Rest des Nebels sehr hell sind (also relativ gesehen), hab ich weiter an dem Objekt gearbeitet. So lange, bis ich sicher sagen konnte, dass ich die beiden Bögen tatsächlich gesehen habe. Ich bin da sehr genau mit dem was ich glaube zu sehen. Das ein Objekt nur mal kurz aufblitzt reicht mir für eine sichere Beobachtung nicht aus. Wenn ich aber ein bestimmtes Detail immer wieder zumindest aufblitzen sehe und das an immer der gleichen Stelle, dann hake ich es auch als sicher beobachtet ab.

Man muß sich da echt viel Zeit lassen, um möglichst viele Details entdecken zu können und um sich wirklich sicher zu sein, dass man das wirklich gesehen hat und es keine Einbildung war, weil man Fotos vom Objekt gesehen hat. Und wenn ich schreibe, dass ich an dem Objekt "gearbeitet" habe, dann meine ich das auch so. Entspannt beobachten ist was anderes. Jones 1 mit 8" ist Arbeit, für mich zumindest. Effektiv habe ich im Laufe der Nacht sicher über eine Stunde nur dieses eine Objekt beobachtet. Und wie gesagt, es hat sich gelohnt.