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Tja, wer hätte das gedacht. ;-)


Gestern Abend war ich nochmal mit meinem 8" GSO-Dobson und Zubehör draußen, obwohl der Himmel nicht optimal war - Zirren und sonstiges Geschmier am Himmel. Und was nicht minder heftig ist - der Feind des Deepskybeobachters - der Erdenmond.

Sonst gehe ich bei solchen Bedingungen höchstens zum nächtlichen Spaziergang oder ´nem Zigarettchen raus, aber gestern Abend war ich gerade wegen des Mondes draußen.

Klar, der Mond ist auch für einen Deepskyliebhaber wie mich mal ganz nett und für jemanden, der noch nie durch ein Teleskop geschaut hat, ist der Anblick des Erdtrabanten mit zigfacher Vergrößerung schon ein überwältigendes Spektakel. So kommt es auch bei mir mal vor, dass ich gerade dann raus gehe, z.B. um mit Kindern eines Kindergartens einen ersten "nahen" Blick auf die Mondoberfläche zu werfen.

Aber gestern war ich allein draußen, nur ich und mein astronomisches Gewerk.

"Und das bei, nein, sogar wegen des Mondes? Is der Heiko noch ganz knusper? Oder hat der noch Restalkohol vom Geburtstag?"

Genau das wird sich jetzt sicher der ein oder andere Leser hier gefragt haben - Hand auf´s Herz. ;-)

Aber ich will´s nicht noch spannender machen. Der Grund dafür, dass ich gestern Lust auf Mond hatte war der, dass ich mir auf dem vergangenen ATT ein neues Spielzeugs gekauft habe. Und zwar einen Baader Maxbright Binoansatz. Für die Anfänger unter uns: Das ist ein Teil, was auf den ersten Blick wie ein Fernglas anmutet. Auf dem zweiten Blick sieht man aber, dass das Dingen nur einen "Lichteintritt" hat und keine zwei Objektive. Mit diesem Gerät und zwei gleichen Okularen ist man in der Lage, am einfachen Teleskop mit beiden Augen beobachten zu können.
























Ganz einfach ist das nicht, denn am Newton kommt man allein damit nicht mehr in den Fokus, da der Weg, den das Licht durch das Bino bis zu den Okularen braucht viel zu lang ist, um die Bildebene in die eingesetzten Okulare zu bekommen. Dafür gibt es sogenannten Glaswegkorrektoren (GWK), die zum einen die Bildebene weiter nach außen bringen, als auch den Farbsaum, der durch die im Bino verbauten Prismen entsteht, zu korrigieren. Der Nachteil dieser GWK´s ist der, dass dadurch die Brennweite erhöht wird. Der wohl einzige GWK von Baader, mit dem man am Newton eine Chance hat, ist der 2,6fach GWK. D.h., damit hat mein 8" f/6 Newton dann eine Brennweite von 3120mm - meist zu heftig für Deepskybeobachtungen. Aber am Mond und Planeten ist´s schon gut - wenn das Seeing mitspielt.

Mein Problem aber ist es, dass ich noch nichtmal mit diesem 2,6fach GWK an meinem 8" f/6 in den Fokus komme. Selbst bei komplett nach "vorne" korrigiertem Hauptspiegel fehlen mir noch ca. 2-3mm intrafokaler Fokussierweg. Daher betreibe ich mein Bino momentan nicht mit diesem Korrektor, sondern mit einer 2fach TS-Barlow, die allerdings den Farbsaum nicht korrigiert. Mit meinen beiden 26mm Plösslokularen hält sich dieser ab noch in Grenzen. Langfristig wird die Barlow aber gegen einen Siebert Glaswegkorrektor aus den USA getauscht - nach Meinung vieler Bino-user baut Harry Siebert wohl die besten GWK´s. Bestellt ist das Dingen schon, mir ist aber auch bekannt, dass der Harry wohl meist ziemlich lange braucht, bis er das Teil verschickt - übermorgen warte ich schon drei Wochen drauf und bisher habe ich noch nicht mal die Info bekommen, dass das Teil schon auf die Reise gegangen wäre. In der Bearbeitung ist meine Bestellung aber schon - angeblich.

Das tolle an Siebert-Optics ist vor allem, dass sie GWK´s anbieten, die schon mit nur 1,3facher Brennweitenverlängerung "an jedem Teleskop" funktionieren sollen. Somit wäre es mir möglich, den Mond dann auch mal im Ganzen zu sehen. Mit der 2-fach-Barlow ist die Vergrößerung mit den 26mm Plössln schon zu hoch dafür. Höher brennweitige Okulare führen wohl zu Vignetierung.

Gestern Abend nun, konnte ich den Binoansatz das zweite Mal am Erdenmond ausprobieren. Vor zwei-drei Wochen stand er viel zu tief für eine gescheite Beobachtung, trotzdem schon mal ein Vorgeschmack auf das was gehen könnte. Gestern stand er zwar höher, aber da er ja am Abendhimmel auf der Ekliptik "runterrollt", ist in den Sommermonaten oftmals auch allgemein nicht gescheit Mond gucken. Kurz gesagt: relativ niedrige Deklination und schlechtes Seeing in Kombination sind des Hochvergrößerers Spielverderber.

Nichts desto trotz war das Beobachtungserlebnis einfach unglaublich. Wer den Mond haßt, der hat ihn noch nie binokular durchs Teleskop gesehen. Und wer das noch nie gemacht hat, der kann sich nicht vorstellen, wie riesig der Unterschied zwischen monokularer und binokularer Beobachtung ist. Man hat regelrecht das Gefühl über die Mondoberfläche zu fliegen. Bei dem Gewabere der Luftschichten der letzten Nacht hatte man das Gefühl, vom All aus durch die (nicht vorhandene) "Mondatmosphäre" auf die Vielzahl von Kratern, Berge und Täler zu schauen. Immer mal wieder schloß ich ein Auge, um direkt zwischen mono- und binokular vergleichen zu können. Binokular wirkt nicht nur alles plastischer, man hat auch das Gefühl, dass das Gesichtsfeld deutlich größer ist, obwohl das ja Quatsch ist. In jedem Okular ist das Gleiche zu sehen. Aber die Kombination aus beiden Augen und Hirn gaukelt einem wohl das scheinbar größere Gesichtsfeld vor.



























Leute, ich bin trotz des schlechten Seeings echt total begeistert. Sekundenbruchteile stand die Luft mal und einige Monddetails lagen gestochen scharf vor mir. Irre waren die vielen Berg- und Kraterstrukturen und die gerade in der Nähe des Terminators (Tag-Nachtgrenze) langen Schatten. Besonders beeindruckt aber war ich von einigen Kraterwänden, die sehr schöne Hänge und Ebenen erkennen ließen. Als bisher nicht sonderlich mondinteressierter Nachthimmelbeobachter weiß ich garnicht, wie ich das beschreiben soll.

Ich hatte auch meinen kleinen Rükl Mondatlas dabei, um mich ein wenig zu orientieren. Hab auch ein paar Minuten damit auf ´m Schoß beobachtet und u.a. den Terminator auf den Karten nachvollzogen. Aber schnell war ich wieder einfach nur vom Anblick durch die zwei Okulare gefesselt, sodass der Rükl wieder beiseite gelegt wurde, da ich einfach nur geniessen wollte. Ich glaub, so intensiv habe ich den Mond schon seit über 20 Jahren nicht mehr beobachtet.

Garnicht auszudenken, wie geil das bei richtig gutem Seeing sein muß. Da wird sich dann wahrscheinlich ´ne ordentliche Sabberpfütze vor meinem Teleskop bilden.

Vor einigen Tagen hatte ich auch schonmal an Saturn das Vergnügen. Auch da war das Seeing nicht so prickelnd und doch habe ich ein paar einfache Details erkennen können. Ich habe dabei auch immer mal wieder ein Auge geschlossen und war der Meinung, dass man trotz des nicht so dollen Seeings binokular mehr Details wahrnehmen kann, als monokular. Warum das so ist entzieht sich aber meiner Kenntnis. Ich bin mir aber recht sicher, dass das keine Einbildung ist. Ich vermute mal, dass die Gesamtauflösung mit zwei Augen einfach besser ist, als nur mit einem. Ist ja auch die doppelte Rezeptorenfläche vorhanden, wenngleich in der Summe auch weniger Licht in den Augen ankommen wird, als bei monokularer Beobachtung - der Strahlengang wird ja auf zwei Okulare aufgeteilt und bis die Lichtstrahlen erstmal die Okulare erreicht haben, werden sie durch die Prismen im Bino schon ein paar Photönchen eingebüßt haben.

Soviel erstmal von meinen ersten Erfahrungen mit dem neuen Baarder Maxbright Binoansatz.

Ein Tip vieleicht noch am Rande für andere Binoansatzbesitzer: Ein gemeinsamer Koffer für Bino und dafür benötigtes Zubehör. Ich stand nämlich schon einmal mit Bino aber ohne die dafür benötigten Okulare auf meinem Beobachtungsplatz. Der Binoansatz wird zwar in einem netten Aluköfferchen geliefert, darin ist aber nur Platz für zwei GWK´s, nicht für Okulare. Daher habe ich ein Angebot unseres Biberbaumarktes wahrgenommen, indem ein "Fotokoffer" mit Schaumstoffeinlage, zum Anpassen an darin zu verstauende Dinge, für relativ kleines Geld angeboten wurde.