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Endlich konnte ich heute mal wieder raus unter den Sternenhimmel. Da gegen 21Uhr der Mond schon wieder aufgehen und meine Deepskybeobachtungen stören würde, entschloss ich mich, wiedermal nur aus der Einfahrt zu beobachten, da mein Lieblingsbeobachtungsplatz bei Mond keine großen Vorteile gegenüber der Einfahrt hat.

Gegen 20.30Uhr, nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht hatte, stellte ich zuerst meinem 8" f/6 GSO Dobson zum Auskühlen raus, zog mich dann um, schaute nochmal im Internet nach der aktuellen Satellitenbildanimation, schnappte dann meinem Okularkoffer und meinem Beobachtungsstuhl und ging gegen 21Uhr raus.

Ein für mich neues Objekt wollte ich unbedingt noch aufsuchen, bevor der Mond sich zeigen würde - NGC 2419, der "Intergalactic Wanderer", ein etwa 300.000 Lichtjahre entfernter Kugelsternhaufen im Sternbild des Luchs. Den Beinamen des intergalaktischen Wanderes bekam er, weil man noch vor wenigen Jahrzehnten annahm, dass dieser Kugelsternhaufen aufgrund seiner extrem hohen Entfernung - er ist vom Zentrum der Milchstraße in etwa ebensoweit entfernt, wie von der Erde - keine gravitative Bindung zur Michstraße haben könnte. Mitlerweile nimmt man aber an, dass sich der Wanderer sehr wohl in einem Orbit um unsere Heimatgalaxie befindet und diese in ca. 3 Milliarden Jahren einmal umrundet hat. NGC 2419 ist das vergelichbare Gegenstück zum Kugelsternhaufen G1, der die Andromedagalaxie in großer Entfernung umrundet. Von dieser aus gesehen dürfte der "Intergalactic Wanderer" der am leichtesten zu beobachtende Kugelsternhaufen der Milchstraße sein.

Von der Erde aus ist die Beobachtung allerdings nicht ganz so einfach, wie man zuerst denken mag. Zum einen ist er etwa 10 Mal weiter von uns entfernt, als die bekannteren Kugelsternhaufen M13 oder M5, die "nur" ca. 25.000 Lj. entfernt sind, und zum anderen ist NGC 2419 auch längst nicht so kompakt, hat also keine so hohe Sterndichte, wie die vorgenannten Kugelsternhaufen.

Nachdem ich meinen Dobson am Stern kollimiert hatte, ging es dann auf die Suche. Zur Vorbereitung hatte ich mir eine Aufsuchkarte, wie auch ein Foto mit umliegenden Sternen zur Orientierung ausgedruckt. Am Osthorizont machte sich bereits der aufgehende Mond bemerkbar. Sehen konnte ich ihn noch nicht, da noch ein Gebäude zwischen mir und dem Osthorizont liegt. Aber der Himmel wurde bereits heller. Trotzdem wollte ich es unbedingt versuchen. Ich hatte allerdings schon Probleme die Sterne zu finden, die mich laut Sternkarte ausgehend von den Zwillingen direkt dorthin bringen sollten. Mit dem Rigel Quickfinder war nichts zu machen. Ich konnte mich damit zwar ungefähr in die Gegend um NGC 2419 bringen, weitersuchen mußte ich aber dann mit meinem 8x50 Sucherfernröhrchen, welches ich sonst nie benutze. Relativ schnell hatte ich eine Sternengruppe gefunden, von der ich annahm, dass sie mich im 32mm TS WA Übersichtsokular leicht zum Wanderer führen würde. Und so war es auch. Ich fand NGC2419 doch viel einfacher, als ich gedacht hatte. Zwar ist der Kugelsternhaufen im Übersichtsokular nur sehr schwach zu erkennen, aber eben doch wahrzunehmen. Das Foto, welches ich mir ausgedruckt hatte, half auch sehr gut dabei. Schnell wechselte ich das TS WA gegen mein 14er Speers. Der Anblick war schon angenehmer, aber der Himmel war noch immer zu hell - wen wunderts, hatte sich der Mond bereits gerade über dem First des gegenüberliegenden Gebäudes bemerkbar gemacht. Schnell das 14er noch gegen das 5-8mm Speers Zoom-Okular getauscht und ja, bei 6,5mm, also etwa 185facher Vergrößerung war der Anblick am besten. Der Himmelshintergrund war nun angenehm dunkel und der Kuegelsternhaufen noch relativ gut zu sehen. In Einzelsterne auflösen konnte ich ihn aber nicht.

Meine Grenzgrößenbestimmung zu dem Zeitpunkt ergab etwa 5,3 mag in den Zwillingen - schlechter werdend. Aber ich war trotzdem total happy, dass ich nun auch mal den "Intergalactic Wanderer" beobachten konnte. Noch dazu bei diesen Bedingungen.

Da ich einmal in dieser Region war, beschloss ich den planetarischen Nebel NGC 2392, auch Eskimonebel genannt, in den Zwillingen mal wieder zu besuchen. Auch dieser war recht schnell gefunden. Spaßeshalber versuchte ich die Beobachtung mal mit dem Baader OIII-Filter. Dieser brachte aber außer einem schwarzen Himmel keinen Vorteil. Der Nebel war ohne Filter etwas deutlicher zu sehen.

Da es immer heller wurde, beschloß ich dem Mars mal einen kurzen Besuch abzustatten. Das Seeing war aber dermassen schlecht, dass man die Polkappe zwar meist erkennen konnte, weitere Details der Planetenoberfläche aber nur in kurzen Momenten sichtbar wurden.

Richtung Osten stand der Saturn. Zwar noch recht tief am Himmel suchte ich ihn trotzdem mal auf. Das Seeing war hier natürlich auch nicht besser und so konnte ich auch dort nicht sehr viel erkennen. In kurzen Momenten konnte ich mal kurz durch die Ringöffnung ins ferne All schauen und ein Wolkenband tauchte für kurze Momente auf. Westlich, im Newton also links neben dem Planeten war sein größter Mond Titan deutlich zu sehen. Knapp neben seiner östlichen Ringkante waren zwei weitere Monde zu erkennen. Einer der beiden dauerhaft, der zweite, der näher am Ring stand, war nur in kurzen Momenten zu erhaschen.

Im Anschluß stattete ich "dem Feind", unserem Erdtrabanten mal einen kurzen Besuch ab. Zwar waren natürlich viele Krater zu erkennen, aber die komplette Mondoberfläche war ein eiziges "Seeinggebrutzel", sodass der Anblick nicht wirklich schön war.

Zum Abschluß dachte ich, dass ich den bekannten offenen Fuhrmannsternhaufen noch einen raschen Besuch abstatten könnte. Der Reihe nach von Ost nach West besuchte ich also M37, M36 und M38.

Ein Blick zum Himmel sagte mir, dass ich noch ein Objekt aufsuchen und mich dann wieder rein in die warme Stube machen sollte. Ich entschied mich dafür, den Abend mit NGC2169, der "kosmischen 37" abzuschließen. Als ich die "37" so schön vor mir im 14er Speers Okular auf dem Kopf liegend sah, kam mir der spontane Gedanke, mal wieder Papier und Bleistift zur Hand zu nehmen und als Noch-37-Jähriger die "37" zu zeichnen. Da ich bisher erst einmal am Teleskop gezeichnet hatte brauchte ich für dieses schöne Objekt ca. ´n halbe Stunde, um es zu Papier zu bringen.



Nach Vollendung des "Kunstwerks" baute ich dann meinen Kram gegen 23.30Uhr ab und legte mich mit dem guten Gefühl schlafen, endlich mal wieder was zu Papier gebracht zu haben und zuvor den "Intergalactic Wanderer" trotz der mondverschmutzten Bedingungen erfolgreich beobachtet zu haben.